12. Januar 2021 um 10:00 – 11:00 ONLINE

„Alternative Strategien aus der Krise?! Ein Blick nach Korea.“

  • Können wir von Korea oder anderen fernöstlichen Demokratien lernen, um die Covid-19 Pandemie erfolgreicher eindämmen zu können?
  • Welche Maßnahmen sind Kern der Vorgehensweise in Korea und Asien?
  • Lassen sich diese Maßnahmen auch nach Deutschland übertragen?

Die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie werden begleitet von einer einschneidenden Wirtschafts- und Gesellschaftskrise. In der von Dr. Albert M. Geiger moderierten online conversation mit

  • Dr. Marc P. Windisch (Professor an der University for Science and Technology in Korea / Executive Director Applied Molecular Virology Laboratory, Institut Pasteur Korea)
  • Barbara Zollmann (Geschäftsführerin AHK Korea)

wollen wir diskutieren, wie man trotz Bekämpfung des Virus‘ und dessen noch relativ unerforschten Ausbreitung aus der aktuellen Schieflage wieder herauskommt, ohne dass unser Land einen nachhaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schaden erleidet.

 

Lessons Learnt:

  • In Korea (52m Einwohner) herrscht trotz aktuell (Stand 12.01.21) deutlich niedrigerer Infektionszahlen (70.000) als in Deutschland (2.000.000) ein Ausnahmezustand, da das Land fürchtet, dass das Infektionsgeschehen außer Kontrolle geraten könnte wie in anderen Weltregionen.
  • In Korea gibt es eine konsequente Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, die strikt umgesetzt und geahndet wird.
  • Die Wirtschaft in Korea ist derzeit auch eingeschränkt durch beispielsweise „Social Distancing“ Regeln; die Zielsetzung der koreanischen Regierung ist es jedoch, das öffentliche Leben und die Wirtschaft weiterhin offen zu halten und gleichzeitig die Bekämpfung des Virus konsequent anzugehen.
  • Aktuelle Prognosen schätzen den wirtschaftlichen Rückgang durch COVID in Korea auf -1,1% (Deutschland -5,5%), was im Vergleich mit anderen OECD Ländern sehr gut ist. Dieser geringe Rückgang wird vorrangig durch einen starken Export ermöglicht.
  • Die staatlichen Maßnahmen und Förderprogramme zur Unterstützung betroffener Branchen in Korea decken die gesamte Breite der Wirtschaft ab. Es wurden 4 zusätzliche Budgets mit 56,5 Mio. $ aufgewendet für Wirtschaft und private Haushalte.
  • Korea investiert im Zuge dieser Krise erheblich in (neue) Zukunftstechnologien (121,2 Mrd. € für 5 Jahre). Der „Korean New Deal“ bezieht sowohl grüne nachhaltige Aspekte als auch das Vorantreiben der Digitalisierung mit ein.
  • Korea hat aus der MERS Krise 2015 bereits wichtige Erfahrungswerte gesammelt. Schon damals hat die koreanische Regierung es sehr gut geschafft, Infizierte und deren Kontaktpersonen und damit die Infektionsketten, zu tracken. Diese Techniken wurden in der jetzigen Krise weiter ausgebaut und durch moderne Technologien ergänzt (Kreditkartentracking, Mobilfunkdaten, etc.). Der Schutz von Gesundheit und Arbeitsplätzen wird in der Pandemielage gegenüber dem Datenschutz priorisiert. Die Datennutzung ist durch ein Pandemiegesetz geregelt.
  • Eine konsequente und digitale Verfolgung und Überprüfung, ob Maßnahmen (wie Quarantäne) eingehalten werden, sind essentiell für die Eindämmung des Virus.
  • COVID-Tests für alle Reisenden, die nach Korea kommen, und Quarantäne nach Einreise haben Korea geholfen, wenige Neuinfektionen von außen ins Land zu holen.
  • Asien macht vor, dass im Alltag viele Schutzmaßnahmen möglich sind, die Komplettschließungen vermeiden.
  • Deutschland und Europa können und sollten für zukünftige Pandemien viel aus dieser Krise lernen (wie z.B. das Maskentragen, Online-Unterricht, Homeoffice Möglichkeiten…)
  • Ein großes Vertrauen der Bevölkerung in die koreanische Regierung und deren Maßnahmen erleichtert die Umsetzung. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg des Landes.

 

Zum Thema: 

Das unberechenbare Virus hat unser aller Alltag seit März 2020 radikal verändert. Die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, wie Lock-Down, Reise-, Beherbergungs-, Schul- und Berufsverbote, haben sowohl zu einer einschneidenden Wirtschafts- und Gesellschaftskrise geführt als auch zu einem Stresstest für unsere Gesellschaft und Demokratie.

Jenseits der europäischen Grenzen gelten vor allem asiatische Länder wie Taiwan, Japan oder Südkorea als Musterschüler im Umgang mit Covid-19. Durch die frühe Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen, scheint die weltweite Epidemie zumindest innerhalb der einzelnen Landesgrenzen verhältnismäßig in den Griff gebracht worden zu sein. Doch was macht Asien anders als Deutschland? Antworten darauf könnten unter anderem die strengen Hygienemaßnahmen, Personen-Tracking, die japanische Cluster-Strategie, eine konsequente Maskenpflicht und hohe Geldstrafen bei Verstößen sein.

Zusammen mit unseren Panelgästen möchten wir uns fragen, wie uns das Virus und dessen Auswirkungen langfristig verändern wird, welche Wege Deutschland, aber auch Europa, gehen kann, um Wirtschaft und Gesellschaft wieder aufzufangen und was wir im Umgang mit dem Virus von asiatischen Vorbildern, vor allem am Beispiel von Korea, lernen können.

 

Kurz vorgestellt:

Dr. Marc Windisch hat an der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg im Bereich Molekulare Virologie promoviert. Seit dem Jahre 2007 arbeitet er am Institut Pasteur Korea und lebt in Seoul, Süd-Korea. Dort ist er Direktor und leitet die wissenschaftliche Forschung und frühe Entwicklung für neue antivirale Medikamente gegen Hepatitis, Zika, Ebola, sowie MERS- und SARS-Coronaviren. Des Weiteren ist Dr. Windisch Professor an der University for Science and Technology in Korea, wo er Grundlagenforschung betreibt, sowie Hygiene Konzepte für den Umgang mit verschiedenen Viren erstellt.

Barbara Zollmann ist seit 2013 Geschäftsführerin der AHK Korea in Seoul. Zuvor war sie in der AHK Chicago unter anderem als stellvertretende Geschäftsführerin tätig. Ab 2009 war sie beim DIHK Berlin für die Koordination der AHKs in Nord- und Südamerika sowie Westeuropa verantwortlich. Die AHK Korea fördert seit ihrer Gründung 1981 die Beziehungen zwischen Deutschland und Korea. Mit dem stetigen Anstieg des bilateralen Handels und deutschen Investitionen in Korea haben die Aktivitäten der AHK Korea und die Nachfrage an professionellen Dienstleistungen entsprechend zugenommen.

 

Cover: Simon Gehrke Kommunikationsdesign www.simongehrke.de

Top