Das Interview wurde unterstützt von ALPHAZIRKEL in Kooperation mit Gesellschaft macht Schule.


Um die Aufnahme des Interviews mit Verena Pausder (Best-Seller-Autorin, Startup-Unternehmerin & Expertin für Digitale Bildung), moderiert von Beatrice Rodenstock (Mit-Gründerin und Gesellschafterin von “Gesellschaft macht Schule”, Gesellschafterin des Alphazirkel) und Simon Köhl (Gründer der Lernplattform „serlo.org“), zum Thema: “Dabei sein oder zurückbleiben – welche Rolle übernimmt die digitale Bildung?” vom 17.11.2020 zu sehen, registrieren Sie sich HIER.

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Lessons Learnt:

  • Der Digitalpakt, der im März 2019 beschlossen wurde, ist bisher kaum an den Schulen angekommen. Durch die Covid-19-Krise sind die Missstände im deutschen Bildungssystem offensichtlicher geworden, dazu gehören unter anderem langsames Internet, fehlende Fortbildungen der Lehrer, der Mangel an Geräten, zu viel Inhalt in den Lehrplänen sowie Hygienemaßnahmen die umgesetzt werden müssen.
  • Um die Schulen digitaler zu gestalten ist unter anderem die Ausarbeitung eines Medienentwicklungsplans vorgesehen, dieser erfordert jedoch viel Eigeninitiative und ehrenamtliche Tätigkeiten seitens der einzelnen Schulen. Weitere Hürden stellen unter anderem lange Bearbeitungszeiten von Prozessbeteiligten wie den Schulträgern, Verkabelung und Glasfaserausbau, aber auch bundeslandspezifische Faktoren, dar.
  • Eine schrittweise Digitalisierung der Schulen kann mit einer neuen pädagogischen Idee und dem Ausprobieren verschiedener Ansätze beginnen. Dies macht die Umsetzung sowohl einfacher, zugänglicher und handelbarer. Dafür ist jedoch auch mehr Akzeptanz und Toleranz auf Seiten der Eltern notwendig.
  • Im Bildungs-Ländervergleich schneidet Deutschland deutlich schlechter ab als viele andere EU-Länder. Einer der Hauptgründe hierfür ist das Thema Datenschutz. Das Problem dabei: anstatt Alternativen zu geben, wie mit dem Thema umgegangen werden soll, gibt es hauptsächlich Verbote. Zwar können wir durch die abwartende Haltung viel von proaktiveren Ländern lernen, es fehlt uns jedoch an einer langfristigen Vision.
  • Durch eine Digitalisierung des Bildungssystems, durch individuellere Lerninhalte und Inklusionsförderung kann mehr Chancengleichheit geschaffen werden. Hierfür sind jedoch flächendeckende Lehrerausbildungen, qualitativ hochwertige Inhalte und eine angepasste, digitale Infrastruktur zwingend notwendig.
  • Im Rahmen des Konzeptes „FREI DAY“ soll SchülerInnen die Möglichkeit gegeben werden, an einem Tag in der Woche und unter Anleitung der PädagogInnen, selbständig Projekte durchzuführen. Somit soll sich bewusst von der bisherigen Wirkrichtung der Entscheidungsprozesse, quasi von Erwachsenen für Kinder, distanziert, Einfluss reduziert und Vertrauen aufgebaut werden, um ein gegenseitiges Verständnis zu schaffen.
  • Ein weiteres wichtiges Fundament für „Das Neue Land“ ist die Vermittlung von Grundlagen des unternehmerischen Denkens und Handelns in den Schulen.

 

Zum Thema:

Das deutsche Bildungssystem leidet schon seit Jahren unter erheblichen Problemen und Missständen, dies steht nicht erst seit der letzten Pisa-Studie fest. Die allgegenwärtige Corona-Epidemie richtet dabei ein Brennglas auf Missstände in Schulen. Gleichzeitig erleben wir im Krisenmodus, wie die digitale Bildung – endlich – Momentum kriegt. Es gibt Bildungsgipfel im Kanzleramt und wir packen als Zivilgesellschaft gemeinsam an, um ein zukunftsfähiges Bildungssystem zu gestalten. Somit wird klar: Deutschland hat kein Erkenntnissproblem sondern ein Umsetzungsproblem.

Durch die Pandemie besteht eine einmalige, fast schon historische Chance, Bildung völlig neu zu denken. Und aus Bewährtem und Neuem etwas Zukunftsfähiges zu schaffen. Von dem auch wirklich alle profitieren. Denn wenn Bildung unser wichtigster Rohstoff ist, dann sollte dafür gesorgt werden, dass keiner mehr durchs Raster fällt und alle eine Chance bekommen. Unsere Bildung ist das Fundament des Landes von morgen und dafür brauchen wir viel weniger, als wir glauben.

Das Buch „Das Neue Land“ bietet Aktions- und Ideenraum mit bahnbrechenden Innovationen, einer neuen Bildung, disruptiven Startups, Digitalisierungsumsetzungen, einer gefeierten Gleichberechtigung, der neuen Ausrichtung von Balance zwischen Work und Life, Klimaschutz und Chancengerechtigkeit für alle.

 

Verena Pausder, älteste Tochter von Rudolf Delius, der das gleichnamige Bielefelder Textilunternehmen in neunter Generation leitet, ist eines der bekanntesten Gesichter der Gründerszene in diesem Land. Sie gilt als Expertin für Digitale Bildung, ist Gründerin von Fox & Sheep, den HABA Digitalwerkstätten und beteiligt sich an der digitalen Lernplattform „Ada“.

Verena Pausder ist auch Investorin, Aktivistin und Aufsichtsrätin. Kurzum: eine meinungsstarke Frau, die sich einmischt. Eine ihrer Herzensangelegenheiten dabei ist es Kindern chancengleichen Zugang zu digitaler Bildung zu ermöglichen. Dafür hat sie 2017 den Digitale Bildung für Alle e.V. gegründet.

Belohnt dafür wurde sie unter anderem vom Weltwirtschaftsforum, welches sie 2016 zum „Young Global Leader“ ernannte. 2018 erfolgte die Aufnahme in die Forbes Europe’s Top 50 Women In Tech Liste.

Sie galt als Retterin in der Not während der Corona-Zeit, indem Sie homeschooling-corona.com ins Netz stellt und den größten Bildungs-Hackathon des Landes #wirfürschule initiiert, was ihr eine Auszeichnung als Vordenkerin 2020 sicherte.

Für die Zukunft der Bildung gibt sie alles. Das spiegelt sich auch in Ihrem Buch „Das Neue Land“ wider. Themen wie Digitalisierung, Bildung, Gleichberechtigung, Klimaschutz und New Work werden darin behandelt. Mit ihrem Spiegel Bestseller und dem „Unternehmerbuch des Jahres“ übt Frau Pausder nicht nur Kritik am aktuellen Bildungssystem, sie gibt auch Ideen und konkrete Lösungsvorschläge wie wir Schule neu denken können.

Darüber hinaus engagiert sich Verena Pausder für das Thema Bildung im Innovation Council der Digitalstaatsministerin Dorothee Bär und im Hochschulrat der CODE University in Berlin.

 

Gesellschaft macht Schule:

Gesellschaft macht Schule (www.gesellschaft-macht-schule.de) ist eine gemeinnützige GmbH, anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und vor allem operativ tätig. Mit drei ehrenamtlichen GesellschafterInnen, neun MitarbeiterInnen in Teilzeit sowie knapp 25 Honorarkräften erreicht sie pro Schuljahr über 300 Kinder und Jugendliche. Starke Bildungs- und Förderpartnerschaften sind der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Für ihre Arbeit wurde sie im Rahmen von „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. 2015 und 2016 erhielt sie für ihre leistungsstarke Organisation und ihr wirkungsvolles Engagement das PHINEO Wirkt-Siegel für die Projekte Team & Sport (2015) sowie BEO+ (2016).

 

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