Der Bayerische Hof in der neuen Publikation “Die Macht der Familie” 2020


Gastgeberin aus Leidenschaft und Verantwortung: Die Hotelière Innegrit Volkhardt – München und „ihr“ Bayerischer Hof

 

Der Wunsch des bayerischen Königs Ludwig I. war es „München so zu gestalten, dass niemand Deutschland kennen soll, der München nicht kennt“. Er machte es zur Königsstadt und formulierte eine neue und ganzheitliche Stadtplanung, die heute noch ein prachtvolles Innenstadt-Ensemble bildet. Das schöne München sollte eine standesgemäße Herberge für Staatsgäste erhalten und diesen Wunsch erfüllte dem Monarchen 1841 der bayerische Unternehmer Joseph Anton von Maffei durch ein Grand Hotel am Promenadeplatz, der Bayerische Hof. In Ermangelung einer Badewanne bei Hofe, soll der König sogar zwei Mal im Monat im Hotel gebadet haben, eine Anekdote, die die Hotelière des Hauses, Innegrit Volkhardt, gerne erzählt, schließlich hat das Hotel einen von der Grande Dame der Innenarchitektur Andrée Putman gestalteten Spa mit Dachgarten, der auch von den Münchnern gerne als Day Spa in Anspruch genommen wird.

Es war ihr Urgroßvater Herrmann Volkhardt (1851 – 1909), ein erfolgreicher Zuckerbäcker und Cafehausbesitzer in München, der eben diesen Bayerischen Hof 1897 erwarb zum auch damals stattlichen Kaufpreis von 2,85 Mio. Goldmark. Sein Sohn Hermann (1881-1955) führt das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Hotel durch die Kriege und die nationalsozialistische Diktatur und stellt schon 1951 wieder 250 Betten im Bayerischen Hof zur Verfügung. Im unversehrten Spiegelsaal, heute „Falks Bar“, hatte der umtriebige Unternehmer mit seinem damals aus dem Krieg zurückgekehrten Sohn Falk Volkhardt bereits im Oktober 1945 wieder das erste Restaurant Münchens nach dem Krieg errichtet. Bemerkenswert auch, dass der erste Chanukka Ball der Israelitischen Kultusgemeinde in München im Jahr 1950 im Bayerischen Hof stattfand und das Haus damals alle Staatsempfänge der Bayerischen Regierung ausrichtete.

Die Geschichte des Hauses und der Familie ist für Innegrit Volkhardt wichtig, denn „das Hotel hat gerade deshalb ein besonderes Selbstverständnis und ein großes Herz auch für die Münchner und ist Teil der Stadtgesellschaft, was für ein Spitzenhotel relativ ungewöhnlich ist“. Jede Generation der Familie hat dem Haus eine besondere Prägung gegeben. Ihr Vater, der legendäre Hotelier Falk Volkhardt (1925 – 2001) hat grandiose Feste im Haus veranstaltet und der Stadt wieder Weltstadtflair eingehaucht. Fotos wie aus einem Filmset, die am Dachgartenpool oder im Ballsaal der sechziger Jahre aufgenommen wurden, mit internationaler Society von Romy Schneider über Sophia Loren, Fürstin Gracia Patricia und Prinzessin Margaret, gedruckt im Jubiläumsbuch des Hauses zum 175-jährigen Jubiläum zeugen von einem veritablen Grandhotel, das dem anspruchsvollen Geschmack und Zeitgeist der Gäste gefolgt ist und so immer klassisch und modern zugleich geblieben ist.

In Zahlen liest sich das nach Umsatz heute zweitgrößteHotel Deutschlands so: 2018 wurden mit 340 Zimmern und 65 Suiten 66,2 Mio. EUR Umsatz erzielt, davon 48,5 % mit Übernachtungen. Der Umsatz pro Zimmer im Jahr des 650 Betten Hauses ist mit knapp 200.000,– EUR pro Zimmer der mit Abstand höchste in Deutschland, so auch die Belegung mit knapp 70%.

Im Bayerischen Hof mit historischen und modernen, von international renommierten Interior Designern wie Axel Vervoordt oder Patrick Jouin gestalteten Räumen finden seit je her große Veranstaltungen statt, die international Beachtung finden, wie der Deutsche Filmball oder die Sicherheitskonferenz. Die Gästeliste von Stars, gekrönten Häuptern, Wirtschaftskapitänen und Weltprominenz ist zwar länger als die Liste der Auszeichnungen, die das Hotel erhalten hat, aber auch die kann sich sehen lassen. Das Restaurant hat drei Michelin Sterne, die Hotelbar gilt als die schönste Deutschlands, internationale Reisemagazine sprechen vom Bayerischen Hof als „one of the greatest hotels“ und die Hotelière Innegrit Volkhardt wurde vielfach zur Unternehmerin, Visionärin, Hotelmanagerin und Gastgeberin des Jahres gewählt, der Bayerische Verdienstorden gehört da fast selbstverständlich mit dazu.

Wichtig ist ihr das überhaupt nicht. Aber wenn es dem Hotel und seiner Reputation nutzt, dann macht sie fast alles. Sie zeigt als Unternehmerin was immer gut ist für Erfolg: harte Arbeit und Disziplin, kompromisslose Detailliebe, Persönlichkeit, klare Strukturen und Verantwortung. Sie sagt in großer Bescheidenheit und Demut vor dem Gast, „dass die sieben Bereichsleiter das Hotel relativ eigenverantwortlich führen“, aber das Haus lebt von ihrer Präsenz, jede Veranstaltung wird von ihr kontrolliert, die Gästeliste täglich angesehen, das internationale Netzwerk der Hotelière ist bemerkenswert, sie pflegt Kontakte zu Unternehmern, Organisationen, Königshäusern, Marketingnetzwerken weltweit. Die Spitzenposition steht auf dem Spiel und nicht an erster Stelle in München zu stehen geht für Innegrit Volkhardt gar nicht, auch nicht, wenn hinter ihrem Hotel die Münchner Schörghuber Gruppe gerade die Vorstandsgebäude der früheren Bayerischen Vereinsbank zu einem sechs Sterne Hotel unter dem Management der amerikanischen Rosewood Gruppe ausbaut.

Internationale Designer holt sie zu sich, nicht ohne Respekt für den langjährigen Innenarchitekten des Hauses, den genialen Graf Siegwart Pilati, der Haus, Zimmer und die Dependance „Tenne“ in Kitzbühel jahrzehntelang gestaltet hat, und der im Jubiläumsbuch auch verewigt ist, wie die jüngere Garde von Interior Stars, mit denen sie in den letzten Jahren das Hotel auch stilistisch auf internationales Grand Hotel Niveau gehoben hat. Dabei will sie immer die „schönen Dinge der Vergangenheit bewahren“, Respekt und Verantwortung vor der Geschichte, eben. Das Haus wird immer renoviert, umgestaltet und erneuert und sie sagt erfreut, „es wird nie fertig sein, denn Umbauen ist meine Leidenschaft“.

Damit ist sie gut gefahren. Das Hotel wirft seit Jahrzehnten ansehnliche Renditen ab, neben den Hotelgebäuden in bester Münchner Lage, die freilich unbelastet sind, wurden durchdie Hotelière bedeutende Immobilien in der Münchner Innenstadt dazugekauft und vermietet, wie das historische Carolinen Palais in der noblen Brienner Strasse. Sie teilt sich das Familienvermögen und Hotel mit ihrer Schwester Michaela und deren zwei Töchter. Eines ist sicher, das Haus bleibt in der Familie, das steht schon in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen und 70. Geburtstag ihres Onkels, Wilhelm Volkhardt. „Dieser kleinen Festschrift, veranlasst durch den 70. Geburtstag des Herrn Wilhelm Volkhardt, fügen wir noch einen innigen Wunsch an, die Kinder und Kindeskinder der Herren Volkhardt in den kommenden Decennien beim Vorbild der Väter gemäß stets in Eintracht dem gleichen Ziel zustreben, nämlich der Erhaltung und zeitgemäßen Ausgestaltung des Hotels Bayerischer Hof.“ (Festschrift aus dem Jahr 1953).

Foto: Der Bayerische Hof am Promenadeplatz 2-6 in München (Quelle: Bayerischer Hof)

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