8. Oktober 2019 um 19:00 – 22:00 Palais Montgelas, Hotel Bayerischer Hof
Promenadeplatz 2-6
80333 München

Unternehmerinterview mit Dr. Arend Oetker

ALPHAZIRKEL International, Serafin Unternehmensgruppe, KPMG AG und Deutsche Börse AG luden ein zu einem von Andreas E. Mach moderierten Unternehmerinterview über langfristiges Denken, Zuverlässigkeit und Engagement als wesentliche Werte für die Zukunft eines Unternehmens mit:

Dr. Arend Oetker

Geschäftsführender Gesellschafter der

Dr. Arend Oetker Holding GmbH & Co. KG in Berlin

anlässlich seines 80. Geburtstags

Dr. Arend Oetker

Der Grandseigneur der Deutschen Industrie und sein lebenslanges Streben nach eigener Verbesserung

Arend Oetker, geboren 1939, ist der Urenkel Dr. August Oetkers, des Gründers der Oetker-Gruppe. Er bezeichnet sich mit einem Augenzwinkern gerne als „der ärmere Oetker“ im Vergleich zu seinen Bielefelder Vettern oder als der „Erbe eines Saftladens“ in Anspielung auf die Saftfabrik Altländer Gold, die er zusammen mit dem Marmeladenhersteller Schwartauer Werke und der Nähmaschinenfabrik Kochs Adler von seiner Mutter Ursula Oetker geerbt hatte. Seit 1989 hat er seine Beteiligungen in der Dr. Arend Oetker Holding zusammengefasst, die heute ihren Sitz in Berlin hat. 2016 hat Arend Oetker den Generationswechsel eingeleitet und überträgt die Anteile an seinen Unternehmen und Beteiligungen schrittweise auf seine drei Töchter und zwei Söhne. Mit seiner Frau Brigitte lebt er in Berlin.

Arend Oetker ist das, was man einen „Grandseigneur“ nennt, ein nach dem Lexikon „vornehmer, weltgewandter Herr (….), dessen Sitten und Lebensweise seine vornehme Abkunft und großes Vermögen verraten“. Die Berliner Morgenpost nannte ihn einmal „den Lord von Berlin“. Der im Teutoburger Wald aufgewachsene Unternehmer ist in Wahrheit, und die offenbart sich nach wenigen Sätzen im Gespräch ganz klar, ein Naturliebhaber, „ein Stück Bauer, ostwestfälisch, bescheiden, bodenständig“. Das erklärt auch seine Begeisterung für die KWS SAAT SE & Co. KGaA, einen der größten Saatguthersteller für landwirtschaftliche Nutzpflanzen weltweit, an der seine Familie zu rund 27% beteiligt ist.

Der Musik- und Kunstliebhaber, Politikinteressierte und Sanierer ist gerade 80 Jahre alt geworden, was ihn natürlich nicht daran hindert, täglich schon am frühen Morgen in seinem Büro im Berliner Stadtteil Grunewald seine umfangreiche Korrespondenz zu erledigen. Die Liste der Ehrenämter, die er im Laufe seines Lebens bekleidete ist lang. So ist er z.B. im Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie als Ehrenpräsident aktiv und im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft als Ehrenmitglied. Das Ehrenamt ist ihm ebenso Bürgerpflicht, wie das Einstehen für gute internationale Beziehungen. Sein Mandat des Präsidenten der Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. hat er im Juni 2019 in die Ehrenpräsidentschaft eingetauscht. Vor Friedrich Merz und Tom Enders war der Berliner Oetker Präsident der Atlantik Brücke e.V.

Ins Schwärmen gerät Arend Oetker besonders, wenn er über seine Schwartauer Werke und über die ebenfalls seiner Familie gehörende Schweizer Hero AG spricht. Zusammen machen die beiden Firmen etwa 1,5 Mrd. Umsatz mit Fruchtprodukten, Marmelade, Müsliriegeln und Babynahrung. Sein Beteiligungsportfolio ist insgesamt sehr diversifiziert und international, so sagt er, einer der Gründe, warum er so vielseitig interessiert sei. Am Bildungs- und Hochschulunternehmen Cognos AG in Hamburg ist er beteiligt und sitzt mit Tochter Johanna im Aufsichtsrat. Auch 50 % der Lübecker TT Fährlinie gehören zu seinem Firmenportfolio. Sein Credo, mit dem er in Deutschland seit den 1960er Jahren eine Vorreiterrolle eingenommen hat, lautet: „Lukrative Nischen besetzen und Manager durch Beteiligung zu Unternehmern machen“. Der Ruf, dass er hervorragend integrieren und unterschiedliche Interessen bestens ausgleichen kann, eilt ihm wohl zu Recht voraus. Er hat diese Charakterstärke in vielen Unternehmen und Gremien jahrzehntelang bewiesen.

Sprechen kann man mit dem vielseitig interessierten und talentierten Grandseigneur der Deutschen Industrie daher so ziemlich über alles. Auch aktuelle Themen liegen ihm am Herzen, wie der Klimawandel, der nachhaltige Umgang mit Rohstoffen oder die Digitalisierung, auch wenn er zugibt, dass er einer der „Old Economy“ ist und „keinen digitalen Kalender“ führt. Aber der digitale Vertrieb der Babynahrung in China und neue Distributionswege im Netz interessieren ihn trotzdem, denn „man darf ja nicht stehenbleiben“, auch nicht in seinem Alter. Das Projekt „Bee Careful“ ist ein anderes Beispiel, auf das er verweist: „Hier unterstützen wir bedrohte Bienen in ihrer Umwelt und machen auf die Besonderheit und die Relevanz der Biene aufmerksam. Wir wollen dafür sensibilisieren, dass ohne Bienen keine Blüten befruchtet werden, und wir ohne die Tiere keine Früchte ernten und daher auch keine Marmelade herstellen können. Das ist eines unserer schönsten Projekte. Denn die Biene ist nicht nur fleißig, sondern notwendig – und unsere kleinste und eine der wichtigsten ‚Mitarbeiterinnen’.“ Da verbindet der Allround-Unternehmer in einem Nebensatz einen Teil seiner Unternehmenskultur: Verantwortung und Arbeitsethik.

Mit 28 musste er als Geschäftsführer den „Saftladen“, die Firma Altländer Gold, übernehmen und sanieren, auch Kochs Adler Nähmaschinenfabrik war ein Sanierungsfall. Beide Unternehmen hat er nach der Sanierung erfolgreich verkauft. Als sein damaliger Schwiegervater Otto Wolff von Amerongen keinen Nachfolger für sein Unternehmen fand, sprang Oetker in das damals größte deutsche Eisenhandelsunternehmen mit 2,5 Mrd. DM Umsatz als Sanierer ein. Er sagt, mit dieser Aufgabe persönlich die größte Herausforderung erlebt zu haben, als er einen Teil des Unternehmens in die Insolvenz schicken musste. Mit eigenem Geld hat er sich auch am Unternehmen und den Immobilien beteiligt und 1990 den Konzern mit seinen rund 200 Beteiligungen und 30.000 Mitarbeitern an Thyssen Krupp verkauft. 1995 schließlich hat er die Schweizer Hero AG schrittweise übernommen, was ihm manche Kleinaktionäre übel genommen haben.

Seit er 2016 seine Vermögens- und Unternehmensnachfolge unter Beteiligung seiner fünf Kinder, die sich ein Jahr lang dazu extern beraten ließen, geregelt hat und sein Vermögen, wie er sagt, „gerecht“ aufgeteilt hat, schläft er wieder besser, wie er einem Journalisten in einem Interview verriet. Er sieht sich bis heute als Coach und Sparringspartner seiner Kinder. Und er freut sich über jedes neue Enkelkind, für die er aber bei seinem nach wie vor gefüllten Terminkalender wohl wenig Zeit hat, obwohl er ein Familienmensch ist, und die Familie auch gemeinsam in die Ferien fährt. Natürlich gehört die alljährliche Oetker-Gruppentagung in Baden-Baden dazu, eine Telefonkonferenz mit allen Kindern pro Monat und zwei Mal im Jahr eine Sitzung mit den Kindern und den Testamentsvollstreckern.

Wichtig ist ihm, dass die Werte, die er in seinen Unternehmen immer gepflegt hat, weitgeführt und entwickelt werden. Dazu gehört u.a. ein respektvoller Umgang mit Partnern und der Mitarbeiterschaft, Ausgleich unterschiedlicher Interessen im Dialog, und die Vorbildfunktion im Unternehmen und in der Gesellschaft. Er verweist darauf, wie wichtig ihm Empathie, Fleiß und Klarheit sind, und dass man Lösungen gemeinsam entwickelt und nicht diktiert. Ein anderer Satz von ihm, aus dem man viel lernen kann, lautet: „Ein Unternehmen muss sich so organisieren, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Fähigkeiten nutzen, ihr Potential ausschöpfen und sich weiterentwickeln können“. Das hat er selbst sein ganzes Leben lang so gehandhabt im stetigen Streben nach eigener Verbesserung.

 

Photopraphy: Max von Eicken

Coverbild: Simon Gehrke Kommunikationsdesign

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