12. November 2020 um 17:00 – 18:00 ONLINE

“Reisen und Hospitality der Zukunft – ist und bleibt der Tourismus ein Trümmerfeld?“

Plötzlich waren die Touristen weg, monatelang… und keiner weiß, was aus der Wintersaison wird:

  • Wann werden wir wieder reisen und wie?
  • Wie kommen die Unternehmer der Branche durch die Krise?
  • Was wird sich verändern, was bleibt?
  • Wird der Tourismus nachhaltiger?

 

Eine online conversation von Andreas E. Mach über Reisen und Hospitality der Zukunft mit:

 

Lessons Learnt:

  • Die Corona Krise ist eine absolute Katastrophe für die Tourismus Branche. Nach dem ersten Lockdown in Deutschland im März hat sich der Betrieb langsam erholt, mit dem erneuten Lockdown stehen jedoch wieder viele Häuser und Unternehmen vor dem Ende. (Innegrit Volkhardt)
  • Die Kunden sind größtenteils sehr verunsichert und haben die Lust verloren, große Reisen zu unternehmen, da diese derzeit immer wieder verschoben und abgesagt werden müssen. (Margot Deh)
  • Der Sommer 2020 war besser als je zuvor, durch viele inländische/lokale Touristen in Österreich. Der Winter wird nach dem Weihnachtsgeschäft jedoch vermutlich von einem dritten Lockdown im Februar/März geprägt sein. (Elisabeth Gürtler)
  • Für das Caravan Geschäft hatte die Krise seit dem Sommer einen positiven Einfluss, da viele Leute vermehrt auf „unabhängigen“ Urlaub setzen. (Alexander Wottrich)
  • Derzeit liegt die Auslastung der Hotels im Schnitt bei ca. 10% – im Sommer war sie bei ca. 50-60% hauptsächlich durch Gäste aus Deutschland und der Schweiz. (Innegrit Volkhardt)
  • Es gibt auch für die Weihnachtszeit nur sehr wenige Buchungen für Fernreisen, obwohl es Kunden gibt, die unbedingt wieder reisen möchten. (Margot Deh)
  • Das aktuelle Buchungsverhalten ist sehr volatil → Leute Buchen und Stornieren sehr flexibel → Das bringt eine sehr starke Unsicherheit. (Innegrit Volkhardt)
  • In Österreich reicht der inländische Tourismus nicht aus, um gute Auslastungen zu erreichen. Ohne lokale deutsche Touristen, die aufgrund einer Pflichtquarantäne derzeit nicht kommen, wird eine Auslastung schwierig. (Elisabeth Gürtler)
  • Nach Corona wird sich das Reiseverhalten vermutlich nicht grundlegend geändert haben → Menschen möchten wieder raus in die Welt und etwas erleben und sehen. Mittelfristig ist jedoch davon auszugehen, dass sich Reisende nachhaltiger und lokaler orientieren werden. (Alexander Wottrich)
  • Viele Partner und Dienstleister auf der ganzen Welt werden die Krise nicht überleben, da es in anderen Ländern keine Unterstützungsmaßnahmen gibt. Das wird das Fernreisegeschäft verändern. (Margot Deh)
  • Die Krise zeigt, dass Reisen keine Selbstverständlichkeit ist → Das könnte zu einem bewussteren Reiseverhalten der Menschen führen. (Margot Deh)
  • Die Wirtschaftskrise wird uns vermutlich noch sehr stark treffen und schlimmer werden als die Krise 2008. (Alexander Wottrich)
  • Die virtuellen Möglichkeiten, Veranstaltungen und Geschäftstermine durchzuführen, die diese Krise aufgezeigt hat, werden auch nach der Krise erhalten bleiben. Hybride Modelle werden an Wichtigkeit gewinnen → Es müssen technische Voraussetzungen geschaffen werden, um solche Modelle zu ermöglichen. Networking und zwischenmenschlicher Austausch werden aber nie ganz verschwinden. (Innegrit Volkhardt)
  • Besonders Kulturtourismus wird nach der Krise wieder aufblühen, da Kulturveranstaltungen nicht digital genossen werden. (Elisabeth Gürtler)
  • Die politischen/staatlichen Unterstützungsmaßnahmen wurden in Österreich deutlich klarer kommuniziert, was die Beantragung, Abwicklung und Planung stark erleichtert hat. In Deutschland wären mehr/stärkere Maßnahmen und vor allem eine klarere Kommunikation wünschenswert. (Innegrit Volkhardt)

Zum Thema:

Die Welt ist zum Risikogebiet geworden und der Reisende zum Risikofaktor. In hundertzweiunddreißig Länder können wir nach den Maßgaben des Robert-Koch-Instituts und des Auswärtigen Amtes derzeit nicht reisen, ohne uns selbst und unsere Mitmenschen akut zu gefährden. Tun wir es dennoch, drohen bei der Rückkehr Quarantäne. Davor schrecken verständlicherweise viele zurück.

Manche Länder haben wegen des unzureichenden Gesundheitssystems die Einreise ganz verboten. Lieblingsstädte wie Prag oder Budapest haben einen Einbruch von 90%, in München haben die Hotels ohne Messen, Konferenzen und Wiesn eine Auslastung unter 30%, anderswo sieht es nicht besser aus. Lufthansa und Austrian haben ihren Winterflugplan nach den jüngsten Reisewarnungen wieder von 50% vom Normalbetrieb auf 30 % reduziert. Der Tourismus ist ein Trümmerfeld, weltweit.

Manche sehen darin keinen Verlust, weil sie glauben, die Pandemie gebe der Menschheit und einem geschundenen Planeten die Gelegenheit zu einer dringend notwendigen Atempause, zu einem Innehalten im Irrsinn grenzenloser, globaler Mobilität.

Wer über die Leere in Venedig oder Barcelona schwärmt, den Kanälen der Lagunenstadt Delphine andichtet und glücklich von leeren Stränden berichtet, sollte sich auch mit den Existenzängsten der Gastronomen, Reiseführer, Köche und Surflehrer beschäftigen. Deutsche Politiker empfehlen die Entdeckung der Schönheiten, die das eigene Land zu bieten hat, ohne in Betracht zu ziehen, warum Millionen Menschen im Ausland Urlaub machen, wofür sie sehr gute Gründe haben, oder über die Gefahren überfüllter Resorts zwischen Tegernsee und Sylt nachzudenken.

Was richtig ist und was falsch, wie hart es die Branche getroffen hat und weiter treffen wird, diskutiert Andreas E. Mach mit seinem hervorragenden Panel.

 

Kurz vorgestellt:

Margot Deh und ihr Mann Wolfgang Deh sind zwei von vier Managing Directors des 1992 gegründeten Reiseveranstalters art of travel GmbH. Der Veranstalter von Luxusreisen ist führend im deutschsprachigen Markt und kreiert außergewöhnliche Reisen und einmalige Erlebnisse. Ein besonderer Aspekt ist dabei die Erweiterung des Produktportfolios im Hinblick auf möglichst nachhaltige Produkte, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind. Mit einer individuellen und hochwertigen Außendarstellung sowie einer besonders intensiven und persönlichen Betreuung durch Spezialisten für die jeweilige Destination werden die Erwartungen der art of travel Kunden übertroffen.

Dkfm. Elisabeth Gürtler war von 1990 bis 2015 Chefin der Sacher Hotels und bis heute Geschäftsführerin der Sacher Holding, Wien. Zudem ist die österreichische Hotelière Inhaberin des Astoria Resort Seefeld in Tirol. Von 1999 bis 2007 organisierte sie den Wiener Opernball, von 2007 bis 2018 war sie Chefin der Spanischen Hofreitschule, beides Institutionen, die in Österreich Kultstatus haben. Das Hotel Sacher, eines von drei Hotels der Sacher Holding, zu der auch die Sacher Torte AG gehört, wird in der Alpenrepublik als eine Art „touristisches Nationalheiligtum“ betrachtet.

Innegrit Volkhardt ist Inhaberin und Geschäftsführerin des Hotel Bayerischer Hof München, das ihr Urgroßvater Hermann Volkhardt 1897 erwarb und das bis heute 50% des Umsatzes mit Übernachtungen, 25% mit Veranstaltung und 25% mit den sieben Restaurants und fünf Bars macht. Das nach Umsatz zweitgrößte Hotel Deutschlands ist Teil der Stadtgesellschaft, in seinen Gebäuden wurde Geschichte geschrieben. International beachtete Veranstaltungen wie der Deutsche Filmball oder die Sicherheitskonferenz werden hier abgehalten. Hotelière Innegrit Volkhardt wurde vielfach zur Unternehmerin, Visionärin, Hotelmanagerin und Gastgeberin des Jahres gewählt.

Alexander Wottrich ist Geschäftsführer von Truma Gerätetechnik. Das 1949 von Philipp Kreis gegründete Unternehmen ist Systemlieferant für Heizungen, Klimaanlagen, Warmwasserbereiter, Rangierhilfen und die Gasversorgung im Caravan. Mit u.a. dem Truma iNet System zählt Truma zu den top 100 innovativsten Mittelständlern in Deutschland. Mit einem Bekanntheitsgrad von 98% im europäischen Caravaning-Markt ist Truma europäischer Marktführer bei Heizsystemen und Rangierhilfen. Über 800 Mitarbeiter an 10 Standorten weltweit vertreten Truma mit einem starken Kompetenznetz aus Importeuren, Vertragshändlern und Service Partnern.

Cover: Simon Gehrke Kommunikationsdesign www.simongehrke.de

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