11. April 2019 um 19:00 – 22:00 Fürstensalon des Palais Montgelas
Promenadeplatz 2-6
80333 München

Next Generation: lieber nachfolgen oder selber gründen?

Wie hat sich die Nachfolge im Familienunternehmen geändert?

Welche Wege will die Next Gen einschlagen und warum?

Ebnet die Gründung eines eigenen Startups den Weg für Innovation im Herkunftsbetrieb?

Oder liegt die Motivation schichtweg in der Selbstverwirklichung?

Gehört die geordnete Nachfolgeregelung der Vergangenheit an?

Diese Fragen haben wir mit vier Nachfolgern aus Familienunternehmern diskutiert, die ihr eigenes Unternehmen gegründet und die klassische Nachfolge im Familienunternehmen (noch) nicht wahrgenommen haben:

  • Patrick Bohrer (Co-Founder & Business Development, FLSK Products GmbH)
  • Andreas Fischer (Founding Partner, First Momentum Ventures)
  • Oliver Nützel (Gründer und Geschäftsführer, Regiondo GmbH)
  • Simon Tüchelmann (Co-Founder & CEO, Kreatize GmbH)
  • Moderation: Dr. Albert M. Geiger und Barbara Kearney

 

Patrick Bohrer

 

Oliver Nützel

 

Andreas Fischer

 

Simon Tüchelmann

 

Zum Thema:

Junge Nachfolger von Familienunternehmen finden heute längst andere Rahmenbedingungen vor als ihre Vorfahren. Nicht nur die Schnelllebigkeit, auch der Druck global gesehen innovativer sein zu müssen, um zu bestehen, lässt die Millennials völlig neue Wege einschlagen als es vor 15 Jahren noch üblich war. Hinzu kommen politische, demographische, wirtschaftliche, vor allem auch klimatische und technische Änderungen, auf die ein Nachfolger heute reagieren muss. Das birgt Unsicherheiten, aber auch enorme Chancen.

Die Next Generation kann nach wie vor den direkten Weg der Nachfolge antreten. Üblich ist, entweder „inhouse“ einige Stationen zu durchlaufen oder durch Studium, Auslandsaufenthalt und Training bei anderen Unternehmen zusätzliche Einblicke ins Unternehmertum zu gewinnen. Immer mehr ist aber eine neue Generation von Gründern zu beobachten, die aus Familienunternehmen stammen. Sie denken in völlig neuen Dimensionen, sind global vernetzt und möchten auch ihren eigenen Weg einschlagen, ob innerhalb oder außerhalb des Familienunternehmens, aber immer mit dem Familienunternehmer-Gen im Gepäck.

Die Motive für den „eigenen Weg“ sind so vielseitig wie die Persönlichkeiten dahinter. Ob das Ziel in der bestmöglichen Ausnutzung digitaler Technologien liegt, in der kreativen Disruption, in der Professionalisierung und Diversifikation – oder einfach nur darin, die Welt durch social entrepreneurship etwas besser zu machen: Erfolg hat viele Gesichter und Wege!

Wir möchten mit unseren Panelgästen, die zugleich junge Gründer und die Next Gen von Familienunternehmen sind, die Frage diskutieren, wieso sie selber gegründet haben anstatt direkt die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten. Zudem interessiert uns die Frage, ob sie zu einem späteren Zeitpunkt das Familienunternehmen übernehmen, und wie ihnen ihre Startup-Karriere bei den Herausforderungen der Nachfolge helfen kann.

 

Zusammenfassung (von Ricarda Campe):

Die Next Generation in den Familienunternehmen ist angehalten, die Digitalisierung einzuführen und die Unternehmen weiter profitabel in die Zukunft zu führen. Doch die Nachfolger wollen nicht immer das traditionsreiche Family Business übernehmen, sondern dank ihrer privilegierten Situationen selbst gründen und die Welt mit ihren eigenen Ideen bereichern. Die vier Jungunternehmer auf unserem Panel gründeten bereits ihr eigenes Unternehmen. Sie diskutierten über Lösungsansätze, tauschten Erfahrungswerte aus und gaben Denkanstöße. Dabei eröffnete die „Diskussion“ auch neue Sichtweisen auf ihr eigenes Handeln.

Es ist ein Privileg in einem gutsituierten Umfeld aufzuwachsen, darin sind sich alle einig. Mit einem effizienten Familienunternehmen im Rücken wird einem vieles erleichtert, ein gutes Netzwerk sowie beste Chancen durch eine qualifizierte Ausbildung. Andererseits stellt es auch eine Belastung und Pflichterfüllung dar. Eine geplante Zukunft liegt einem jungen Erwachsenen vor, bei der Flexibilität nicht an erster Stelle steht.

Der aus Augsburg stammende Patrick Bohrer stellte einen Vergleich auf. Für ihn ist ein Familienunternehmen wie ein großes Kreuzfahrtschiff. Eine große Masse, die schwer zu lenken ist, aber bei der die Abläufe bestens funktionieren und Profit abwerfen. Als junger Nachfolger sieht er sich in einem Speed-Boot, das sich flexibel, dynamisch und kreative vom Hauptschiff auf neue Wege begibt. Die Rückkehr ist dabei nicht ausgeschlossen. Die Synergien von Alt und Neu sollten genutzt werden. Die jungen Unternehmer können viel Know-how aus den vorhergehenden Generationen für sich gewinnen und die Ressourcen der FU sinnvoll nutzen.

Wie zum Beispiel bei Simon Tuechelmann. Nach der Gründung seines eigenen Start-ups entschied er sich wieder in Richtung seines Familienunternehmens zu arbeiten und hatte dabei einen ganz speziellen Ansatz: „Erfinde das, was dein Unternehmen zerstören könnte, bevor es die anderen tun.“ Dabei handelte er genau richtig und entwickelte intelligente Lösungen für Fertigungsunternehmen. Tuechelmann und sein Team haben es sich zum Ziel gesetzt, der europäischen und deutschen Fertigungswelt dank ihrer Digitalisierungen zu mehr Erfolg und Dynamik zu verhelfen.

Start-ups haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber den traditionellen Familienunternehmen – Agilität. Die Entscheidungsprozesse in neuen Unternehmen sind durch flache Hierarchien schnell abzuwickeln. Es können zeitnah auf andere technologische Fortschritte eingegangen und notwendige Investitionen schneller getätigt werden. Das Familienunternehmen von Oliver Nützel ist eine Marketingagentur, er selber hat Regiondo gegründet, den größten online-Marktplatz für Freizeitaktivitäten in Deutschland. Ihm wurde schon in jungen Jahren das Verständnis für Technologie in die Wiege gelegt. Der Austausch mit seinen Eltern hat ihn bei Fragen im Rahmen der Unternehmensführung geholfen. Bei inhaltlichen Themen wandte er sich dann doch an Freunde oder Kollegen, die ähnliche Erfahrungswerte sammeln konnten.

Ein weiterer Tipp der Jungunternehmer für die große Aufgabe der Nachfolge: Die Bindung der Kinder ans Unternehmen gelingt am besten indem sie ausreichend unterstützt werden. Sie sollten sich selber neu erfinden können, ihre Erfahrungen machen dürfen und ihren eigenen Weg gehen. In Konfuzius Worten: „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“

So ist es auch bei den jungen Unternehmern nicht ganz ausgeschlossen, später einmal wieder ins Familienunternehmen einzusteigen. Danke ans Panel für diesen dynamischen und innovativen Austausch.

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