6. Juni 2018 um 19:00 – 22:00 Dierig Holding AG
Kirchbergstraße 23
86157 Augsburg
Deutschland

„Mit Textil fing alles an – 100 Jahre später. Gleiche Wurzeln, andere Wege.“

Ein von Andreas E. Mach moderiertes Gespräch mit den Familienunternehmern:

  • Christian Dierig (Vorstand und Sprecher der Dierig Holding AG, Augsburg)
  • Michael Pieper (Präsident und CEO der Artemis Holding AG, CH-Aarburg)

Zum Thema:

Wussten Sie, das die Schweizer Franke Artemis Gruppe, u.a. als Weltmarktführer für Küchentheken bekannt, ihre Wurzeln in Deutschland hat? Die Geschichte der Unternehmerfamilie Pieper ist aufs Engste mit jener von Dierig verbunden – und umgekehrt ist auch die Expansion DIERIGS nach Augsburg und die Entwicklung zum größten baumwollverarbeitenden Unternehmen Kontinentaleuropas vor dem Zweiten Weltkrieg einer gemeinsamen Geschichte zu verdanken, die einst in Langenbielau begann.

 

Zusammenfasung des Abends (von Ricarda Campe):

Am 6. Juni hat der ALPHAZIREL in Kooperation mit der DIERIG Holding AG nach Augsburg auf das Dierig Werksgelände eingeladen. In einer ehemaligen Weberei begrüßte Andreas E. Mach die Unternehmer Christian Dierig und Michael Pieper zu einem exklusiven Talk anlässlich des 100-jährigen Bestehens von DIERIG in Augsburg.

Christian Dierig, CEO und Vertreter der Familienmehrheitsaktionäre der DIERIG Holding AG, leitet das Familien- und Traditionsunternehmen, welches im Jahre 1805 gegründet wurde. Die Firma DIERIG entwickelt sich zum größten baumwollverarbeitenden Unternehmen Kontinentaleuropas vor dem Zweiten Weltkrieg. Heute ist die DIERIG AG neben der Textilwirtschaft auch im Immobiliengeschäft tätig. Im Jahr 2017 wurde ein Jahresumsatz über 66 Mio. Euro erwirtschaftet.

Michael Pieper ist CEO und Inhaber der Artemis/Franke Gruppe, zu der das milliardenschwere Unternehmen FRANKE, ein Schweizer Hersteller von Kücheneinrichtungen, Bierfässern und Kaffeemaschinen, gehört. Das Unternehmen wurde 1911 von Hermann Franke in der Schweiz gegründet und zum Marktführer der modernsten Spülen. 1975 erwarb Willi Pieper-Häcker FRANKE (seit 1943 beteiligt). 1989 wurde Michael Pieper Eigentümer, übernahm damit die Führung und expandierte nach Europa, Asien, Afrika und Amerika. Heute ist das Schweizer Unternehmen als Weltmarktführer u.a. für Küchentheken bekannt. Side Fact – Viele Edelstahltheken in einer Fastfood Filiale von McDonalds, Burger King, KFC, Vapiano etc. sind von FRANKE.

Die Geschichten der beiden Unternehmerfamilien haben den Ursprung in Deutschland und sind miteinander verknüpft. 1918 strebte DIERIG eine strategische Neuausrichtung und einen Standortswechsel an, und expanidierte nach Augsburg, um die Konzentration im Osten auszugleichen. Im Zuge erster Expansionen hatte DIERIG Kontakt zum westfälischen HAMMERSEN Konzern aufgenommen, welcher von Hauptaktionär Fritz Häcker geführt wurde. DIERIG war fest entschlossen, den HAMMERSEN Konzern zu kaufen, jedoch hatte HAMMERSEN umgekehrt dasselbe Interesse. Nach zähen Verhandlungsjahren fusionierten Häcker und Dierig’s Unternehmen letztendlich zur DEBAG Gruppe. Häcker verließ das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen 1931 und ging in die Schweiz. Dort investierten dann seine Kinder und Enkel (u.a. Michael Pieper) in „neue“ Industrien, unter anderem in FRANKE.

Artemis/FRANKE ist ein milliardenschweres Unternehmen und weltweit aktiv. Da liegt die Frage nahe, was das Erfolgsrezept von einem Michael Pieper ist. Dazu gehörten viel Fleiß, Disziplin und Sparsamkeit. Kurzgehalten von den Eltern, hatte Pieper die Anforderung an sich selbst, immer mehr zu leisten als die anderen. Ein Punkt seines immensen Erfolges ist, dass er die passenden Leute, mit den richtigen Erfahrungen auf die ausländischen Märkte ansetzte. So wurden seine Produkte auch im Ausland zum Erfolgsgaranten.

Kapital und Management werden bei Artemis/FRANKE stets getrennt. Doch wie sieht es aus mit der Beteiligung der Kinder am Unternehmen? Sohn Alexander und Tochter Nina Pieper sitzen beide im Aufsichtsrat der Artemis Group. Jedoch sind beide eigenständig mit eigenen Firmen tätig und werden aufgebaut, um später in die Fussstapfen von Michael Pieper zu treten. Sie tauschen sich regelmäßig aus um den aktuellen Stand und die Lage zu besprechen und sind so unmittelbar in Abläufe involviert.

Artemis/FRANKE diversifizierte sich, investierte u.a. in den Ausbau des Franke-Geschäfts und in weitere Beteiligungen wie Feintool, Forbo, Autoneum, Arbonia, Rieter etc. und hat heute wenig mit seinem Altkonkurrenten DIERIG zu tun. Anders ist es bei der DIERIG Holding AG. Dort leitet Christian Dierig die Geschäfte und hält unter anderem an der Textilindustrie fest. Dierig legt wert auf die Erhaltung des Familien- und Traditionsunternehmens und auf deren Grundlage der Textilien.

Dieses spiegelt sich auch in der Unternehmensführung wider. Bei DIERIG wurde Kapital nie vom Management getrennt. Dahinter steht die Philosophie von Dierigs Vater „Warum solltest du Geld haben, wenn es die Firma nicht mehr gibt?“.

Wie stehen die beiden zu Tradition vs. Innovation?

Michael Pieper versteht es, Innovation in sein Konzept einfließen zu lassen um weiterhin erfolgreich zu sein. Christian Dierig sieht klar, dass Textilien in Deutschland keine Prioritäten haben und Bettwäsche nicht wirklich „sexy“ sei. Textilien verlieren in der BRD an Wertigkeit. Eine Investition in Service und Dienstleistung scheint dabei eine Alternative zu sein. Die Aufgabe ist Dierig bewusst, der Schlüssel sei jedoch noch nicht gefunden. Die Veränderung ist eins der wichtigsten Projekte für die kommenden Jahre. Am 1. Mai hat der Aufsichstrat der Dierig Holding AG die junge Generation mit Ellen Dinges-Dierig und Benjamin Dierig in den Vorstand geholt. Dierig sieht seine 120 Gesellschafter als Vorteil, da so demokratische und rationale Entscheidungen getroffen werden ohne, dass familiäre Befindlichkeiten eine Abstimmungen aufhalten.

Zum Ende des Gespräches bat Andreas E. Mach um schnelle Antworten der beiden Unternehmer mit einem Frage-Antwort-Spiel nach dem Beispiel von Marcel Proust.

Was ist besser: „Familie ins Unternehmen“ oder „Familie aus dem Unternehmen?“

Pieper: Beides

Dierig: Familie im Unternehmen

 

Wie findet man einen guten CEO?

Pieper: Intern

Dierig: Auch intern, jedoch ist auch ein bekannter oder vertrauter Externer möglich

 

Was bedeutet Digitalisierung in ihrem Unternehmen?

Pieper: Sehr wichtig

Dierig: Für den Vertrieb existenziell

 

Haben sie einen Leitspruch, den auch die Menschen in Ihrem Unternehmen auswendig kennen?

Pieper: Gib Gas!

Dierig: Einer für alle, alle für einen!

 

 
Top