23. Mai 2019 um 19:00 – 22:00 Königssaal des Palais Montgelas, Hotel Bayerischer Hof
Promenadeplatz 2-6
80333 München

„Jüdische Wirtschaftsgeschichte in München“

Es erwartet Sie eine von Andreas E. Mach moderierte Diskussion mit:

  • Dr. Charlotte Knobloch (Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern K.d.ö.R.)
  • Konrad O. Bernheimer (Familienunternehmer in 5. Generation aus einer deutsch-jüdischen Kunsthändlerdynastie)
  • Professor Dr. Michael Brenner (Historisches Seminar der LMU, Jüdische Geschichte und Kultur, international bekannter Autor)

 

Zum Thema:

Bei dem Thema „Jüdische Wirtschaftsgeschichte in München“ geht es um die Familienunternehmer in München, die diese Stadt in hohem Maße prägten. Im Bayern der Prinzregentenzeit und nach dem Ersten Weltkrieg spielten jüdische Unternehmerpersönlichkeiten und Familien in Wirtschaft und Kultur dieser Stadt eine wichtige Rolle: die Schüleins (Unionsbräu) und Aufhäusers (Bankiers), die Bernheimers (Kunsthandel) und Uhlfelders (Kaufhaus) waren Münchner „Urgesteine“. Trotz vieler Studien, Reportagen und Publikationen über das jüdische München ist davon wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert.

Der Herrenkonfektionär Bamberger & Hertz ist heute Hirmer, das Textilhaus Isidor Bach ist heute Konen, das Kaufhaus Heinrich Uhlfelder hatte die erste Rolltreppe der Stadt, die Filiale des Kaufhauses Tietz am Hauptbahnhof wurde später zu Hertie und heute Karstadt. Das damals beliebte Modestoffe- und Zubehörhaus Hermann Cohen befand sich neben dem heutigen Loden Frey. Der Trachtenhändler Wallach hat das Dirndl populär gemacht, Thomas Mann oder der Herzog Luitpold von Bayern tätigten ihre Bankgeschäfte bei Siegfried Aufhäuser, der Möbelfabrikant Ballin in der Residenzstraße hat dem beim Hitlerputsch verwundeten Hermann Göring erste Hilfe geleistet, und die IHK München und Oberbayern befindet sich im Kunstpalast des Arnold Drey, das er als privates Wohn- und Geschäftshaus von Gabriel von Seidl 1911 hatte erbauen lassen. Der FC Bayern wurde unter seinem Präsidenten Kurt Landauer 1932 deutscher Meister und in München frenetisch gefeiert.

Die Heimatstadt all dieser prominenten Persönlichkeiten wurde unter den Nationalsozialisten zur „Hauptstadt der Bewegung“. Verfolgung und Vernichtung folgten. Bei der Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums in München 2003 sagte Charlotte Knobloch: „Heute nach genau 65 Jahren bin auch ich wieder ganz in meiner Heimat angekommen.“ Zwischen Erinnerung und Gegenwart werden wir darüber diskutieren, was heute daraus geworden ist.

Wir laden Sie ein, vor dem Hintergrund jüdischer Wirtschaftsgeschichte in München, mit einem hochkarätigen und kundigen Podium über Vergangenheit und Zukunft zu diskutieren. Dabei wollen wir die Lebenswege und Schicksale einiger Unternehmer beleuchten, die sich dezidiert „bayerisch“ und „jüdisch“ fühlten.

 

»Ob es antisemitische Reaktionen sind oder das Gegenteil, betontes Wohlwollen – die meisten Deutschen behandeln Juden einfach nicht normal.«
(Yascha Mounk über sein Buch „Echt, du bist Jude? Fremd im eigenen Land.“ 2015)

 
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