28. März 2019 um 19:00 – 22:00 Fürstensalon des Palais Montgelas
Hotel Bayerischer Hof
Promenadeplatz 2-6
80333 München

„China gewinnt!“

Kann der deutsche Mittelstand partizipieren?

Eine von Dr. Albert M. Geiger moderierte Diskussion mit China-Experten, deutschen Unternehmern mit und chinesischen Gründern:

  • Dr. Dominik Böhler (Head of Entrepreneurship & Tech Education, UnternehmerTUM GmbH, Garching)
  • Chenchao Liu (Inhaber von Silreal München, China-Experte)
  • Dr. Andreas Storp (President der drom fragrances GmbH, Baierbrunn mit Niederlassungen in China)
  • Chengyuan Zhai (Founder & CEO der Safety Tax Free GmbH, München)

Chengyuan Zhai und Dr. Andreas Storp

 

Dr. Andreas Storp

 

Chenchao Liu

 

Dr. Dominik Böhler

 

 

 

Zusammenfassung der Diskussion:

China gewinnt! Wie kann der deutsche Mittelstand partizipieren?

Ist „Made in Germany“ der Maßstab und China nur der Nachahmer mit günstiger Produktion? Einem gewaltigen Land wie China widerfährt in Deutschland eine falsche Einschätzung. Das Panel um Moderator Dr. Albert Geiger gab Anstoß zum Umdenken, um China anders wahrzunehmen und zu verstehen. Die vorherrschende Kultur prägt eine ganze Wirtschaft, die wieder zur Nummer Eins der Welt aufsteigen möchte. Chenchao Liu und Chengyuan Zhai leben schon seit langem in Deutschland. Gemeinsam mit Dr. Andreas Storp und Dr. Dominik Böhler gestalten die vier Herren die Runde des Unternehmerabends am 28. März im Bayerischen Hof.

Dr. Storp berichtete eindrucksvoll und passioniert von seiner Erfahrung in China. Sein Unternehmen drom fragrances gmbh expandierte 2003 nach China und konnte sich dort behaupten. Er führte uns vor Augen, dass in China eine andere Kultur vorherrscht, mit der ein anderes Denken einhergeht. Eine Parfumkultur, wie wir sie aus Europa und den westlichen Ländern kennen, ist dort nicht üblich. Die Parfumöle von drom sind in allen möglichen Haushaltsprodukten, von Waschmittel, Spülmittel über Shampoo bis hin zur Tagescreme. Die Produktpalette ist enorm groß und beinhaltet ca. 8000 verschiedene Produkte. Das Besondere an dieser Art von Produkten ist von der Digitalisierung ausgeschlossen und der Verkauf wird angetrieben durch wachsende Bevölkerungszahlen. Warum nicht nach China gehen und dort ansetzen, wo die Bevölkerung explodiert? Die Nachfrage steigt stetig, dank der fortwährend wachsenden Bevölkerungszahlen. Eine Marktlücke, die Dr. Storp in China erkannte und ihn zum Expandieren anregte. Wie können Familienunternehmen aus anderen Bereichen von China profitieren?

Chenchao Liu gab Gedankenanstöße, wie man in China erfolgreich werden kann. Ein Verständnis für die dortige Kultur und Mentalität sind wichtige Voraussetzungen. China hat eine lange Historie und möchte wieder eine der führenden Weltwirtschaftsmächte werden. Die Linie, die China fährt ist ganz klar. Es herrscht eine Transparenz bei der Zielsetzung und Ausführung in der Gesellschaft, die von der Politik gefördert wird. Die Botschaft ist klar, alle müssen dem Erfolg des Lands dienen. Chenchao Liu stellt es so dar, dass das Volk gemeinsam dieses Ziel verfolgt. Die Wirkung nach außen ist jedoch eine andere. Wer sich sträubt, fällt ab. Die Wirtschaft und Massenproduktion in China sollte auch nicht überschätzt werden, im IT Bereich wird der wissenschaftliche Vorsprung zu Europa immer geringer. Die Unternehmen in Europa holen auf. Die Zusammenarbeit mit Europa ist essentiell für China. Das Land ist abhängig von europäischen Unternehmen. Die Chinesen lieben „Made in Germany“ und die damit verbundene deutsche Qualität.

Chengyuan Zhai erklärt warum China eine so schnell wachsende Wirtschaft hat. Die Chinesen sind es gewohnt, dass sich die Zustände in Windeseile verändern. Dadurch adaptiert die Bevölkerung neue Systeme, Produkte und Software viel schneller. Der Wandel wird besser aufgenommen. Die vorherrschende Transparenz durch Datensammeln bringt Vor- und Nachteile mit sich. Man muss sich in Deutschland fragen, was einem lieber ist: seine persönlichen Daten zu schützen oder lieber die Vorteile aus der Datenverarbeitung zu nutzen. Das Sammeln von Daten ist in China deutlich einfacher. Einerseits ist die Masse der Bevölkerung so viel größer, dass eine Million an Daten schnell gesammelt ist. Andererseits sind die Chinesen offener als die deutsche Bevölkerung, die das Sammeln eher mit Sorge sehen und einen Datenklau wittern.

Das Thema Daten wird immer wichtiger für Unternehmen. Datenbasierte Unternehmen verzeichnen weltweit große Erfolge, doch in Deutschland wird die Datenspeicherung und Weiterverarbeitung kritisch gesehen. In China wird die Speicherung von Daten für gut geheißen. Chenchao Liu stellt den Nutzen und Vorteil dem möglichen Missbrauch gegenüber. Die Datenspeicherung verfolgt das Ziel, den Alltag auf Grund von Daten besser zu gestalten und zu optimieren. Im Gesundheitssystem wäre dieses enorm von Vorteil, um die Krankheitsbilder des Patienten zügig abzurufen und zu analysieren. Dagegen spricht allerdings die ethische Moral, die in Deutschland dem Nutzen voran gestellt wird. Dadurch würden alle Krankheitsbilder offen gelegt werden und Zugangsberechtigungen müssten genauestens kontrolliert werden. Die Daten über Gesundheitszustände insbesondere von Personen des öffentlichen Lebens, erfordern eine besondere Sensibilität.

An Chenchao Lius Ausführungen erkennt man deutlich, dass er der chinesischen Moral obliegt. Er schildert uns, dass der Chinese im Interesse der Gemeinschaft handelt und das Kollektiv an erster Stelle steht. Das wäre eigentlich die demokratischste Form, die es für ein Volk – seiner Meinung nach – gibt. In Deutschland wird das eher als Kommunismus aufgefasst.

Die beiden Chinesen waren sich einig, dass vor allem die deutsche Expertise geschätzt wird. Es geht nicht immer um das Produkt als einzelnes. Autos, Maschine und Co. können unter anderem auch aus in China produzierten Einzelteilen bestehen. Dennoch entsteht am Ende, dank deutscher Expertise, ein qualitatives Gesamtprodukt. Es wäre eine Idee, Führungskräfte oder Bildungssysteme zu exportieren, in Form von Weiterbildungsprogrammen, analog und digital. Die deutsche Qualität der Ausbildung wird in Asien sehr wertgeschätzt.

Auf die Nachfrage im Publikum gab das Panel Tipps für Bücher, um sich in die Materie weiter einzulesen zu können: Schriften des Konfuzius, Konrad Seitz: China eine Weltmacht kehrt zurück, Theo Sommer: China First. (Zusammenfassung von Ricarda Campe)

 

 

Zum Thema:

„China steht vor einem zweiten Wirtschafts-Boom!“ Das sagt nicht nur Joseph Constanty, Unternehmer und Experte für die chinesische Startup-Szene, der seit 15 Jahren in Schanghai lebt und aktuell als Director International für NIU Technologies tätig ist.

In China entsteht aktuell täglich Neues: neben beeindruckenden Gebäuden und Einkaufszentren vor allem Geschäftsideen, die in CoWorking-Spaces brodeln und in Höchstgeschwindigkeit umgesetzt werden. Startups, Gründer und Erfinder haben in China jetzt Hochzeit.

Woher kommt diese Entwicklung? Die vor 20 Jahren gegründeten und bedeutendsten drei chinesischen Tech-Firmen Baidu, Alibaba und Tencents (allgemein bekannt unter dem Kürzel „BAT“) haben inzwischen eine Generation hervorgebracht, die nun selber gründet – und zwar mit einer Menge Erfahrung und Ideen im Gepäck.

Dass die Startups nun im gleichen Land sitzen wie die Fabriken, die deren Ideen dann in Massen produzieren können, ist einer der größten Wettbewerbsvorteile. Die südchinesische Stadt Shenzhen zum Beispiel hat sich vor den Toren Hongkongs zum Hardware-Hub entwickelt. Was andernorts und hierzulande Monate dauert, kann dort in ein paar Tagen erschaffen werden. Das Phänomen nennt man „Rapid-Prototyping“.

Wer bislang meinte, es mangele in China an Qualitätsstandards musste sich spätestens seit dem Erfolgskurs des Smartphones Huawei eines Besseren belehren lassen. Chinesische Qualität hat längst amerikanische oder europäische Standards erreicht und ist weiterhin auf Überholspur.

Was die ganze Entwicklung aber noch befeuert, ist die Affinität der Chinesen Neues erleben und erschaffen zu wollen. Es ist unbestritten, dass China als Innovationstreiber gewinnt.

Wir freuen uns, für die Beantwortung der Frage, wie der deutsche Mittelstand am Erfolg Chinas partizipieren kann, ein Expertenpanel gefunden zu haben. Zusammen mit Ihnen, möchten wir im ALPHAZIRKEL einen Einblick in die Erfolgsfaktoren des unbestrittenen Innovationsführers China gewinnen und den Fragen nachgehen:

  • was kann der europäische und vor allem deutsche Mittelstand daraus lernen?
  • Wie kann der Familienunternehmer an diesen Innovationen teilhaben und kooperieren.
  • Wo liegen Chancen und gibt es auch Risiken?

 

Der ALPHAZIRKEL reist im November nach Hong-Kong und Shenzhen:

Vom 3. bis 7. November veranstaltet der ALPHAZIRKEL eine Delegationsreise nach Hong-Kong mit Besuch von Startups in der Innovationshochburg Shenzhen. Wir sehen China als Absatzmarkt und Ideengeber für den deutschen Mittelstand und möchten die Chancen durch die Vernetzung deutscher Familienunternehmen mit chinesischem High-Tech fördern. Bei Interesse sprechen Sie uns gerne an oder schreiben Sie an: albert.geiger@alphazirkel.com.

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