5. Dezember 2018 um 19:00 – 22:00 Gelber Salon, Palais Montgelas, Bayerischer Hof
Promenadepl. 2-6
80333 München
Deutschland

„Freiraum – Kontrolle – Steuerung“

Eine von Andreas E. Mach moderierte Diskussion über die gewinn- und sinnstiftende Beziehung zwischen Gesellschaftern, Managern und geschäftsführenden Gesellschaftern mit:

 

  • Bert Bleicher (Unternehmer und Investor, vormals geschäftsführender Gesellschafter der Hoffmann Holding und Sprecher der Hoffmann Group)
  • Dr. Konstanze Koepff-Röhrs (Unternehmerin, Dr. Werner Röhrs KG, Sonthofen)
  • Verena von Mitschke-Collande (Eigentümerin der Giesecke+Devrient GmbH)
  • Martin Wunnike (Vorsitzender der Geschäftsführung, Mittelbayerischer Verlag KG)

 

Zusammenfassung (von Ricarda Campe):

Familienunternehmen müssen nicht immer von der Familie geführt werden. In den Augen vieler scheint dieses zwar die Wunschvorstellung zu sein. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, warum Familien sich für einen externen Manager entscheiden: die ausbleibende familiäre Nachfolge oder der fehlende Unternehmergeist, ist ein allgemein bekanntes Problem. Auch die Größe eines Unternehmens kann ein Anstoß sein, um einen externen Manager einzustellen. Dabei sind Vertrauen und Kommunikation zwischen Familie und Manager die Basis einer funktionierenden Zusammenarbeit.

Vier Perspektiven:

Als externer Manager könne man sich selbst als „Familienbusiness-Butler“ im Unternehmen sehen. Der Begriff soll keinesfalls mit „bedingungslosem Dienen“ verbunden werden, sondern mit der Zurückhaltung und dem Aufrechterhalten der Struktur und Philosophie des Familienunternehmens. Die Selbstverwirklichung eigener Vorstellungen sei nur in gewissem Maße angebracht.

Als Eigentümer sei Vertrauen zwischen Eigentümer und Manager die Grundvoraussetzung für eine funktionierende und gewinnstiftende Zukunft des Unternehmens. Eine optimale Besetzung sehen viele in einem internen Mitarbeiter. Diese Option ist oft nicht gegeben. Familienunternehmen setzen daher schon früh auf die zukunftsorientierte Förderung und Ausbildung ihrer Mitarbeiter, um sich so eine passende Nachfolge heranzuziehen.

Bei großen Familienunternehmen kann ein externer Manager einen neuen Input leisten, zudem mit Fachkompetenz und Erfahrungen das Familienunternehmen stützen. Es gibt Beispiele von erfolgreichen Familienkonzernen, bei denen das Management in fremden Händen ist und kein einziges Familienmitglied in der Gruppe tätig ist. Nicht um jeden Preis sei die Familie in der Geschäftsführung vorzuziehen.

Den Manager oder die Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden, könnte durch eine Beteiligung erfolgen. Dies ist eine Möglichkeit, Teil des Ganzen zu sein, gewissenhafter zu agieren und eine tiefere Bindung zum Unternehmen zu schaffen. Eine funktionierende Governance ist eine wichtige Grundlage, um ein Unternehmen wirtschaftlich optimal zu führen. Die Gesellschafter sollten nicht zu sehr an ihren Gewohnheiten festhalten, sondern eine intensive Kommunikation mit dem Management führen.

Zusammenfassend sind sich aber alle einig, dass das Vertrauen und die menschliche Ebene zwischen Manager und Familie den Kern einer erfolgreichen Zusammenarbeit ausmachen. Die Werte und Kultur eines Familienunternehmens müssen respektiert und gepflegt werden, jedoch kann ein externer Input Vorteile mit sich bringen.

Vielen Dank an das Panel für diese besonders aufschlussreiche Diskussion.

 

Zum Thema: Freiraum – Steuerung – Kontrolle 

Jeder weiß, dass Unternehmenssteuerung die wesentliche betriebswirtschaftliche Aufgabe ist, um die Existenz eines Unternehmens nachhaltig abzusichern. Wir verwenden dafür den Begriff „Controlling“ sozusagen synonym. Und doch gibt es kaum einen Begriff aus der Sicht des Unternehmers, der sooft missbraucht und falsch angewendet wird.

Controlling hat wenig mit Kontrolle, aber sehr viel mit Planung und Steuerung zu tun. Zugrunde liegt das englische Verb „to control“ (= steuern, messen, regeln). Aktive Unternehmenssteuerung bedeutet, sich als Unternehmer Ziele zu setzen, wie sich das Unternehmen in der Zukunft entwickeln soll, und Maßnahmen zu erarbeiten, wie die gesetzten Ziele erreicht werden können. Es geht also um die aktive Gestaltung von Risiken und Chancen und darum, alle Ressourcen ausnahmslos gewinnbringend einzusetzen.

Ist die Unternehmenssteuerung nun die Aufgabe des Unternehmers oder, wenn er ein familienfremdes Management einsetzt, des Managements?

Ist es die Aufgabe des Gesellschafters, der z.B. seinen Verwandten, der als geschäftsführender Gesellschafter fungiert, kontrolliert?

Wie gehen die Stakeholder miteinander um und wie erreichen Gesellschafter, Manager und geschäftsführende Gesellschafter die richtige Balance zwischen Freiraum, Steuerung und Kontrolle, um tatsächlich alle Ressourcen ausnahmslos gewinnbringend einzusetzen?

Das Thema hat viele Facetten. Im ALPHAZIRKEL wollen wir mit Ihnen und unseren Panelgästen diskutieren, WIE sich die Beteiligten auf einen maximal effektiven Prozess und ein gewinn- und sinnstiftendes Miteinander verständigen können und sollen.

 
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