10. Dezember 2020 um 17:00 – 18:00 ONLINE

„Die Rolle der Medien in der Coronakrise.“

  • In Krisenzeiten haben Medien eine besondere Verantwortung.
  • Wie gehen die Medien mit ihrer Verantwortung um, zuverlässige Informationen zu verbreiten?
  • Wie hat sich das Image der Medien in der Krise entwickelt und welchen Stellenwert nimmt der Journalismus in der Gesellschaft ein?

 

Eine von Andreas E. Mach moderierte online conversation über den „Corona-Journalismus“ mit:

 

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Lessons Learnt:

  • 2020 ist insgesamt als positives Jahr für die Medien zu sehen, da die Bedeutung von Medien eher wieder zugenommen hat und die Menschen vermehrt seriöse Informationen gesucht haben und ehrliche Berichterstattung (wieder) schätzen. (Dr. Gregor Peter Schmitz)
  • Gleichzeitig gab es aber auch sehr viele inhaltliche Abbestellungen von Abonnements von Corona Kritikern. (Dr. Gregor Peter Schmitz)
  • Auch die Medien haben in der Corona Zeit viel gelernt. (Carsten Erdmann)
  • Die Medien haben auch erheblich dazu beigetragen, dass der erste Lockdown, als absolute Neuigkeit in Deutschland, und die Umsetzung vieler Maßnahmen, die es so zuvor noch nie gab, so gut geklappt haben. (Carsten Erdmann)
  • Die Krise hat auch einen riesigen Digitalisierungsschub in die Verlags- und Medienbranche gebracht. (Carsten Erdmann)
  • Besonders zu Beginn der Pandemie in Deutschland, gab es zunächst zu wenige verschiedene Meinungen. Jetzt gibt es aber eine breite Berichterstattung und viele verschiedene, auch kritische, Meinungen. (Carsten Erdmann)
  • Die Krise lehrt die Menschen auch einmal, mit ungewissen Situationen und ohne großen Plan auszukommen. (Georg Streiter)
  • Nichtsdestotrotz müssen viele Themen auch kritisch aufgearbeitet werden. (Dr. Gregor Peter Schmitz)
  • Man muss Kritik, die geäußert wird, hören und dieser ein Forum geben. (Carsten Erdmann)
  • Viele Menschen suchen für ihren Frust ein Ventil und finden dieses in der Politik und den Mainstream-Medien. Mit ruhigeren Zeiten wird sich die Wut und das Beschuldigen der Medien auch wieder ändern. (Georg Streiter)
  • Je mehr Streit, desto mehr Interaktion → dieses Phänomen schürt „fake-news“ und provokante Berichterstattung. (Dr. Gregor Peter Schmitz)
  • Print wird es zunehmend schwer haben, da junge Leute weniger gedruckte Zeitungen lesen. Online Abonnements werden dafür stärker nachgefragt, bringen aber gleichzeitig weniger Einnahmen. Das wird wiederum zu Entlassungen führen und zwangsläufig durch die Mehrbelastung bleibender Mitarbeiter zu einem Qualitätsverlust. Auf Dauer wird das Fernsehen ein Gewinner sein. Es wird aber immer einen Markt geben für erstklassigen Journalismus. (Georg Streiter)
  • Es wird voraussichtlich eine Konsolidierung im Zeitungsmarkt in Deutschland geben. (Carsten Erdmann)

 

Zum Thema:

Medien und Journalisten haben eine sehr große Verantwortung, besonders in Krisenzeiten, in der Menschen mehr denn je nach Sicherheit und Information suchen und somit den Einfluss der Medien automatisch stärken. In der aktuellen Corona-Krise, die den Bürger zur „Isolation“ auffordert, sind wir nicht nur abhängig von qualitativ hochwertiger Berichterstattung, sondern auch von der zunehmenden digitalen Kommunikation. Seit Ausbruch der Pandemie haben die Regierungen mehrerer Bundesländer in Deutschland die Journalisten als „systemrelevant“ eingestuft. Zugleich haben die Medienunternehmen ihre Aufgabe der gesellschaftlichen Zusammenführung und der Sicherung der Demokratie verantwortungsbewusst zu erfüllen.

Der Auftrag der Journalisten zu informieren, zu kritisieren, Fakten zu prüfen, Mächtige zu kontrollieren, die Debatte zu organisieren, öffentlich relevante Themen zu publizieren, ist im Grunde nicht verhandelbar. Professioneller Journalismus ist wichtig, da er den Gefahren der Desinformation entgegenwirkt, die die Situation in einer Krise noch verschlimmern können. Doch schnell geraten die Berichterstatter selber in das Dilemma „von verantwortungsbewusstem Journalismus in unverantwortliche Panikmache“. Je nachdem wie die Informationen über Print, Radio, TV und Social Media ausgestaltet sind, wird Panik, Zuversicht, soziale Distanzierung oder eben auch gerade das Gegenteil ausgelöst.

Zunehmend informieren sich die Bürger über die sozialen Medien, was die nie dagewesenen User-Zahlen bestätigen. Denn in Zeiten großer Unsicherheit sucht der Mensch nach Nachrichten, die einen Funken Sicherheit geben oder die eben das verbreiten, was der Nutzer gerade hören oder lesen will. Der amerikanische Wahlkampf, der vor Kurzem zu Ende gegangen ist, dient hier als ein (geradezu abschreckendes) Beispiel. Die Richtigkeit der Information wird in diesem Fall oft nicht geprüft, wozu Laien auch nicht immer in der Lage sind. So nehmen auch Fehlinformationen in den sozialen Medien Fahrt auf, weil sie einfache Antworten auf komplexe Fragen liefern. Beides – Fake News und Verschwörungstheorien – haben in der Krise Hochkonjunktur, im amerikanischen Wahlkampf wie in der Coronakrise gleichermaßen.

 

Wir wollen wir die Rolle der Medien in der Krise beleuchten und folgende Fragen zur Diskussion stellen:

  • Welche Verantwortung haben die Medien in einer Krise wie der Pandemie?
  • Wie beeinflussen die Medien den Umgang der Menschen mit dem Virus?
  • Wie hat sich das Image der Medien in der Krise entwickelt und wie verändert diese den Stellenwert von Journalismus in der Gesellschaft?
  • Sorgen die Medien für Skepsis oder helfen sie, die Gefahren zu erkennen und die Krise einzudämmen?
  • Wird die Presse- und Meinungsfreiheit in der Krise beschränkt?
  • Welchen Quellen und Medien vertraut die Bevölkerung primär – Radio, Fernsehen und Zeitungen oder eher Sozialen Medien und dem Internet?
  • Steigt die Zahlungsbereitschaft für digitale Inhalte? Wie geht es den deutschen Medien wirtschaftlich?
  • Gibt es den Wunsch nach mehr Medienkompetenz? Und wie soll diese vermittelt werden?
  • Wird der Qualitätsjournalismus überleben in der digitalen Welt?

 

Kurz vorgestellt:

Carsten Erdmann, Jahrgang 1966, ist seit Juni 2018 Chefredakteur Digital der FUNKE Zentralredaktion in Berlin und leitet zudem die Stabsstelle Digitale Transformation des Medienhauses. Zuvor war er Chefredakteur der Berliner Morgenpost. Vor dem Wechsel zu FUNKE sammelte er unter anderem als Mitglied der Chefredakteursrunde der damaligen Gemeinschaftsredaktion von Welt/Welt am Sonntag/Berliner Morgenpost zahlreiche Erfahrungen in der digitalen Neuausrichtung und Reorganisation von Redaktionen. Die von ihm 2013 gegründete Datenjournalismus-Unit wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet und ist heute Teil der FUNKE Zentralredaktion. Erdmann gehört seit 2020 zum Board of Directors der International News and Media Association (INMA). 

Dr. Gregor Peter Schmitz, Jahrgang 1975, ist seit Februar 2018 Chefredakteur der Augsburger Allgemeine. Zuvor war er Korrespondent für den SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE, zunächst sechs Jahre lang in Washingston, danach als Europa-Korrespondent mit Sitz in Brüssel. Er gehörte zu den NSA- und Wikileaks-Rechercheteams des Nachrichtenmagazins und wurde für seine journalistische Arbeit u.a. mit dem Henri-Nannen-Preis und dem Arthur F. Burns-Preis ausgezeichnet. Von 2015 bis 2018 leitete Schmitz das Hauptstadtbüro von Deutschlands führendem Wirtschaftsmagazin, der Wirtschaftswoche, und verantwortete auch das Ressort Politik und Weltwirtschaft. Sein erstes Buch „Wetten auf Europa. Gespräche mit George Soros“ avancierte zum SPIEGEL-Bestseller. Im Juni 2019 wurde Schmitz mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet, dem renommiertesten Preis der deutschen Zeitungsbranche. Später im Jahr erhielt er zudem einen Lead Award in Silber als „Blattmacher des Jahres“. Ende 2019 belegte Schmitz auch bei der Wahl der „Journalisten des Jahres“ den 2. Platz in einer der Chefredakteurs-Kategorien. 

Georg Streiter, Jahrgang 1955, ist Journalist, ehemaliger Stellvertretender Regierungssprecher und Gründer von „Streiter&Streiter“. Er erlangte internationale Bekanntheit durch seinen Satz „Wir sind Papst“ auf der Titelseite der Bildzeitung. 1976 fing er an, als freier Mitarbeiter der „Bonner Rundschau“ hauptsächlich Lokalberichte zu schreiben. 1979 wurde er Redakteur bei der „Bild“-Zeitung in Köln, zuständig für Kommunalpolitik. Von dort wechselte er 1983 zum Kölner „Express“, wurde 1985 Parlamentskorrespondent in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. 1987 ging er zur „Hamburger Morgenpost“, kehrte 1989 zum „Express“ zurück. 1991 war er Ressortleiter Politik beim „Stern“ in Hamburg, 1994 bei der „Bild am Sonntag“. 2001 versuchte er das Experiment, aus der Lifestyle-Zeitschrift „Max“ ein Nachrichtenmagazin zu machen. 2005 war er wieder bei „Bild“ als Ressortleiter Politik. 2010 hat Georg Streiter die Seiten gewechselt und ging nach Brüssel als Sprecher zu Silvana Koch-Mehrin, damals Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. Im September 2011 berief ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel zum stv. Sprecher der Bundesregierung. Ende März 2018 ist Georg Streiter aus dem Dienst ausgeschieden und hat in Berlin die Firma „Streiter&Streiter“ gegründet, um Institutionen oder Verbände, Unternehmen und Einzelpersonen zu beraten und auch mit seinem Blog „Wiedervorlage“ wieder journalistisch zu arbeiten.

 

Cover: Simon Gehrke Kommunikationsdesign www.simongehrke.de

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