9. Dezember 2020 um 17:00 – 18:00ONLINE

„CHINA – die neue KI-Macht am Horizont. Wie können wir davon profitieren?“

  • Wo steht China in 5 Jahren?
  • Welche Erfolge im Bereich der Künstlichen Intelligenz hat China bereits erreicht?
  • Wo steht China beim Kampf gegen Corona wirklich?
  • Wie können deutsche UnternehmerInnen vom KI-Erfolg Chinas partizipieren?

Ein online Interview von Dr. Albert M. Geiger mit Professor Dr. Ingo Beyer von Morgenstern.

Prof. Dr. Ingo Beyer von Morgenstern ist China-Experte und Entrepreneur, ehemaliger McKinsey Direktor (1985-2014, davon 10 Jahre in Shanghai, China), Gründer der Harbour.Space University in Barcelona und Bangkok sowie Mit-Gründer des thailändischen Fintech-Unternehmens Masii.com, laut KPMG einem der 100 besten FinTech Unternehmen der Welt. Er ist Initiator und Research Partner von ACATIS beim ACATIS Qilin Marco Polo Asien Funds, ein Fund unter den top 1% aller bei Morningstar gelisteten Asien Funds, sowie Honorarprofessor an der Tsinghua University in Peking. Er hält zudem Vorträge beim World Economic Forum, leistet zahlreiche Beiträge zu Büchern und veröffentlicht regelmäßig in der internationalen Presse.

 

Lessons Learnt:

  • Wir stehen vor der 4. Industriellen Revolution, welche u.a. durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) geprägt wird. In der historischen Retrospektive war China bereits in den letzten 2000 Jahren fast immer eine Weltmacht und wird es wieder werden. Die Pandemie könnte Chinas Weg dorthin beschleunigen.
  • Ziel des 14. chinesischen Fünfjahresplans ist die Entwicklung eines modernen, sozialistischen Landes, das wohlhabend, kulturell fortschrittlich und harmonisch ist. Themen, die diese Entwicklung vorantreiben, sind dabei Dual Circulation, welche eine vollständige Selbstversorgung und eine globale Führungsrolle impliziert, eine technologische Innovation und Unabhängigkeit, Urbanisierung 2.0 (smarte Städte) sowie eine grüne Wirtschaft.
  • Die chinesische Stadt Shenzen kombiniert durch die Sonderwirtschaftszone 2.0 internationale Erfolgsfaktoren aus Hong Kong, New York und dem Silicon Valley und soll damit China in die Zukunft führen.
  • In China arbeiten Staat und Firmen zusammen, hierbei werden Personendaten beliebig untereinander ausgetauscht. Diese sind für die Weiterentwicklung von KI wichtig und notwendig, in Europa wäre ein solcher Eingriff in den Datenschutz jedoch undenkbar.
  • Im Vergleich zum KI-Einsatz im privaten Bereich ist der Einsatz von industrieller KI leichter umzusetzen. Hierbei wäre eine Zusammenarbeit zwischen Industrie und Regierung notwendig, um eine einheitliche Europa-Strategie zu entwickeln, bei der Firmen untereinander Daten austauschen können. Generell mangelt es in Europa bzw. Deutschland nicht am Willen, sich mit dem Thema KI auseinanderzusetzen, sondern an geeigneten, qualifizierten Personen.
  • China ist ein „Muss“ für den großen deutschen Mittelstand, da der langfristige Aufwärtstrend bleiben wird (höchstes absolutes und prozentuales BIP-Wachstum), China mittlerweile den zweitgrößten Aktienmarkt der Welt darstellt und es einen deutlichen Anstieg an ausländischen Investoren und institutionellen Anlegern gibt.
  • Kernelementen eines erfolgreichen China Fonds sind der Fokus auf gegenwärtige und zukünftige asiatische Wachstums- und Value Champions sowie schnell wachsende Zukunftsindustrien, Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen und private Unternehmen (keine State-Owned-Enterprises).
  • Mit Hinblick auf die Corona-Epidemie hat China das Virus weitgehend in den Griff bekommen. Hierzu verwendet China eine Kontaktverfolgungs-App, welche das Risikostatus eines jeden einzelnen berechnet. Zusätzlich beinhaltet Chinas Covid-19 Strategie Elemente wie die Überwachung und Eindämmung von Infektionsketten, medizinische Bildgebung, Robotik und Mensch-Computer-Interkation.
  • Die makroökonomische Zukunft Chinas wird sich vor allem über die „neue Seidenstraße“ und den größten Handelsblock der Welt (RCEP) definieren. Dies wird vor allem mit Blick auf die Fortune 500 deutlich. Zusätzlich wächst die Marktkapitalisierung chinesischer Unternehmen rasant, wohingegen die der europäischen und nordamerikanischen deutlich schrumpft.

 

Zum Thema:

Künstliche Intelligenz (KI) wird der Motor für die nächste industrielle Revolution sein, die bereits im Gange ist. China und USA investieren derzeit Milliarden in die Künstliche Intelligenz während Europa hinterherhinkt, wenn es darum geht, Spitzentalente und Kapital anzuziehen und Spitzenforschung und -entwicklung zu fördern. Deutschland hat keine überzeugende KI-Strategie. Belastende Vorschriften und Datenschutzbestimmungen behindern hierzulande dessen weitere Entwicklung, während in China bereits über 20 KI-basierte Unternehmen den Unicorn-Status, d.h. eine Bewertung von über 1 Milliarde USD, erreicht haben und das Land über einen sehr fruchtbaren Boden für die Entwicklung der KI verfügt.

Die Strategien Chinas sind klar: der Staat arbeitet eng mit den führenden Digitalunternehmen zusammen, fördert Neugründungen und unterstützt führende Universitäten mit erheblichen finanziellen Mitteln. Im Jahr 2017 veröffentlichte der chinesische Staatsrat den „Next Generation Artificial Intelligence Development Plan“ in dem 17 Schlüsselbereiche definiert wurden, darunter intelligente Fahrzeuge, intelligente Serviceroboter, intelligente Drohnen, Chips für neuronale Netze, intelligente Konsolidierungen und KI-Anwendungen im Lieferkettenmanagement. Das chinesische Bildungsministerium hat die KI im Jahr 2018 in den Lehrplan seiner High School aufgenommen. Im Jahr 2018 boten 96 chinesische Universitäten KI als Studiengang an – 2017 waren es noch 17.

In unserem Gespräch mit Professor Dr. Beyer von Morgenstern möchten wir erfahren, wo China in fünf Jahren tatsächlich stehen wird, welche Erfolge China im Bereich der Künstlichen Intelligenz bereits erreicht hat, zum Beispiel auch im Bereich der medizinischen Diagnostik, und wie deutsche UnternehmerInnen vom KI-Erfolg Chinas partizipieren können.

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