6. Mai 2020 um 17:00 – 18:00 ONLINE

„Schwedens Sonderweg in der Coronakrise – ein Leadership Modell der Zukunft?“ Deutsche Unternehmen in Schweden berichten aus Stockholm.

Im Rahmen unserer neuen Webinar-Reihe: „Die Krise meistern – Unternehmer und Experten diskutieren und geben Rat im ALPHAZIRKEL“ sprach Alphazirkel Managing Director Dr. Albert M. Geiger zur Frage, wie Schwedens Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Thema „Virus und Krise“ umgehen, mit:

  • Johannes Forster (Managing Director | Giesecke+Devrient Mobile Security Sweden AB)
  • Dr. Ralph-Georg Tischer (Geschäftsführer I Deutsch-Schwedische Handelskammer AHK)

 

Lessons Learnt:

  1. Der Weg den Schweden im Kurs gegen Corona eingeschlagen hat ist eingebettet in den kulturellen Kontext des Landes, beruht auf einem gemeinsamen Miteinander und individueller Eigenverantwortung.
  2. Schweden selbst hat lediglich zwei Verbote verhängt: Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl über 49 Personen und der Besuch von Altenheimen.
  3. Im Gegensatz zu Deutschland sind in Schweden nicht nur der Gastronomiebetrieb, Schulen und Kindertageseinrichtungen geöffnet geblieben, auch eine Maskenpflicht wurde nicht verhängt. Sowohl im Bereich öffentlicher Verkehr, im Einkauf und auch in der Gastronomie spürt man jedoch, dass die Frequenz stark zurückgegangen ist. Allgemein findet das tägliche Leben also statt, jedoch auf nordischer Distanz.
  4. Auch die schwedische Wirtschaft wurde stark getroffen. Die staatlichen Programme für die Wirtschaft sind zwar ähnlich zu Deutschland, allerdings bevorzugt Schweden kleinere Schritte mit Beobachtung der Lage und eine Hilfe, die mehr Fokus auf Arbeitnehmer anstatt Arbeitgeber legt.
  5. Schweden wendet eine ‚Politik der kleinen Schritte‘ an. Es werden keine singulären überraschenden Entscheidungen von der Regierung getroffen und die Handhabung bettet sich in eine lange Tradition ein, die basiert auf Kollektivismus und einer Gesellschaft, die homogen im Gleichklang dem Staat zuhört und Glauben schenkt.
  6. Seit den Jahren 1995/96 erlebte Schweden im Bereich Digitalisierung eine große Entwicklung, dabei treibt vor allem das riesige Zonen- und Randgebiet das Thema voran. Schweden ist somit im Ländervergleich weit voraus, da diese Entwicklung nicht aus der Not entstanden ist, wie bei momentan vielen anderen Ländern. Somit stellt der aktuelle Rückzug aus dem sozialen Leben hin zu digitalen Serviceleistung mittlerweile eine Routine dar.
  7. Der hohe Grad an Digitalisierung in Schweden hat sich nicht nur im Privatleben mit digitalen Steuererklärungen, Arztbesuchen oder der Vernachlässigung von Bargeld durchgesetzt, sondern ermöglicht auch, komplett im Home Office zu arbeiten und von dort aus gut funktionierende Standardgeschäftsvorfälle und Prozesse zu koordinieren.
  8. Neue Entwicklungen im und durch das Home Office werden als ‚Lessons Learnt‘ unternehmensweit kommuniziert, geteilt und implementiert. Eine mittel- bis langfristige Planung ist jedoch schwer abschätzbar, da ein Mindestabstand von 2 Meter im physischen Office kaum umsetzbar ist.
  9. Der ‚schwedische Weg‘ kann nicht als ein ‚falscher Weg‘ bezeichnet werden, da er der schwedischen Kultur angepasst ist und die schwedische Gesellschaft widerspiegelt. In Hinblick auf die Digitalisierung ist der schwedische Weg vor allem als Modell der Zukunft zu verstehen, von dem viele Staaten noch lernen können.

 

Unter nachfolgendem Link können Sie sich einloggen und anmelden, um die Aufnahme des Webinars zu sehen:

https://attendee.gotowebinar.com/recording/5356405441856365579

 

Johannes Forster (Managing Director | Giesecke+Devrient Mobile Security Sweden AB).

Herr Forster studierte in Regensburg und Göteborg BWL und lebte viele Jahre in München. Er war lange Senior Strategy Consultant bei Horváth & Partners Management Consulting und konzentrierte sich dort auf Strategieprojekte in der Öl- und Gas-, Automobil- und Finanzindustrie. 2010 kam er zu G + D und hatte verschiedene Führungspositionen in den Bereichen Strategie, M&A und digitale Transformation inne. Darüber hinaus war er für G+D in dem Gesellschafterausschuss des deutschen Identitätsstartup VERIMI tätig. Seit März 2019 ist er bei G+D in Stockholm Geschäftsführer und verantwortlich für die Entwicklung und Umsetzung der Geschäftsstrategie für den nordischen und baltischen Markt.

 

Dr. Ralph-Georg Tischer (Geschäftsführer I Deutsch-Schwedische Handelskammer (AHK))

Herr Dr. Tischer wurde in Detmold geboren. Als Diplomkaufmann ist er schon seit den 90er Jahren für Industrie- und Handelskammern tätig: als Repräsentant der Deutschen Wirtschaft in Estland, ab 1999 Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Estland, Lettland und Litauen, ab 2004 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen. Seit 2007 Geschäftsführer der Deutsch- Schwedischen Handelskammer. Die Deutsch-Schwedische Handelskammer ist Experte für Geschäfte zwischen Schweden und Deutschland. Sie hilft Unternehmen, die sich auf dem schwedischen oder deutschen Markt etablieren möchten oder bereits in beiden Ländern aktiv sind.

Cover: Simon Gehrke Kommunikationsdesign www.simongehrke.de

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