“Deutschland braucht ein Ökosystem für mehr Wachstum !”


Was meinen wir damit?

Was können Mittelstand, Investoren und die Deutsche Börse tun, um Wachstumsfinanzierung anzutreiben und Gründer zu unterstützen?

Was kann Deutschland tun, um ein Umfeld zu schaffen, in dem neue Ideen – also Innovations- und damit verbunden auch Risikofreude – wieder „en vogue“ werden und das Gründen hipp ist? Die Auftragsbücher sind voll, der Wirtschaft geht es gut, und somit scheint der Gedanke in die Zukunft ein wenig zu fehlen, das Thema Innovation steht nicht im Vordergrund.

Der ALPHAZIRKEL hat dazu am 25. Juli 2017 ein hochkarätiges Panel in den Bayerischen Hof eingeladen:

  • Frau Hauke Stars, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse AG
  • Herrn Josef Schmid, Zweiter Bürgermeister der Landeshauptstadt München und Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft
  • Herrn Dr. Michael Riemenschneider, Geschäftsführer der Reimann Investors Advisory GmbH
  • Herrn Karl Meyer-Rieckh, Miteigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender bei Leder & Schuh und des B2B Marktplatzes Mercateo
  • Moderation: Barbara Kearney und Dr. Albert M. Geiger

Ende Juni wurde eine Studie von EY und der Deutsche Börse AG vorgestellt, in der die Attraktivität von Start-Up Ökosystemen in Deutschland, Israel, UK und USA verglichen wurde. Die Studie ergab, dass Deutschland auf einem guten Weg ist, jedoch die Rahmenbedingungen sich ändern müssen, damit Investoren und Gründer mehr Anreize haben. Frau Hauke Stars Meinung nach, müssen mehr Finanzierungsmöglichkeiten für Start-Ups geschaffen werden sowie das Steuersystem für Gründer angepasst und die Bürokratie reduziert werden. Eine weitere Ursache für die mangelnde Gründung sei der fehlende Gründergeist in Deutschland. Dass Gründer mit ihrer Idee auch scheitern können, wird in Deutschland nicht akzeptiert. Diese Einstellung schreckt viele Junge Leute ab, ihre innovativen Ideen umzusetzen.

Die Stadt München setzt bereits viele Pläne und Ideen um, Gründer zu unterstützen und Innovationen anzuziehen. Herr Schmid erklärte konkret, wie die Gründerszene in München unterstützt wird: In einem Innovations- und Gründungszentrum arbeiten Start-Ups, etablierte Unternehmen, Kreative sowie Wissenschaftler im Dialog mit Stadtplanern, Architekten und der Öffentlichkeit gemeinsam an innovativen Projekten, intelligenten Technologien und Dienstleistungen zusammen, um eine Stadt der Zukunft zu planen, die sogenannte „smart City“.

Reimann Investors investiert vornehmlich in Start-Ups, als in mittelständische Unternehmen. Den Grund hierfür sieht Herr Dr. Riemenschneider darin, dass „etablierte Unternehmen nicht so einfach zu verstehen sind, wie Start Ups“. Dieses wiederum steht aber keinesfalls einer Kooperation dieser zweier Unternehmen im Wege. Der Anspruch darf nicht darin bestehen, vollen Zugriff auf die beiden Unternehmen zu haben, sondern der Fokus muss in der Zusammenarbeit und Transparenz liegen. Dabei muss auch die Andersartigkeit des anderen Unternehmens angenommen werden. Unternehmen sollen sich ergänzen und nicht gegeneinander arbeiten.

Herr Karl Meyer-Rieckh sieht das Thema ‚Kooperation’ in dem B2B Bereich als maßgeblich an. Unsere Generation sei in einer Umbruchsituation, Familienunternehmen müssen sich auf Digitalisierung einlassen und nicht am ‚offline-Dasein’ festhalten. Dieses verhindert eine Weiterentwicklung und schränkt das weitere Bestehen ein. Der Sprung ins Digitale muss erfolgen und zugleich sollten die traditionellen Offline Stärken erhalten werden.

Im Bereich der Finanzierung, hat die KfW ermittelt, dass die Innovationen immer weniger durch Banken finanziert werden. Die Finanzierung ist aber essentiell, denn Digitalisierung der Prozesse und Produkte setzt ein hohes Kapital voraus. Der ALPHAZIRKEL führt seit Anfang Juli eine Umfrage durch, zum Thema „Familiengeführte Unternehmen go digital – Wie investieren Familienunternehmen in digitale Geschäftsmodelle?“.

Erste Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass weit über 60% der Familienunternehmen bereit sind, gemeinsam mit Co-Investoren in digitale Geschäftsmodelle zu investieren, ein Viertel ist sogar bereit, Beteiligungen am eigenen Unternehmen zuzulassen – ein deutlicher Wandel.

Frau Hauke Stars sieht eine Notwendigkeit in der Finanzierung und macht darauf aufmerksam, dass die Investitionen in Start-Ups Zeit brauchen und es ein Prozess ist, der nicht von jetzt auf gleich den erwarteten Erfolg zeigt. Die Börse hat ein Venture Network ins Leben gerufen, bei denen Start-Ups Investoren für ihre Geschäftsmodelle finden, die zu ihnen passen. Dabei sind interessante Kooperationen entstanden. Stars sieht den IPO als eine Chance der Finanzierung, ohne Nachteile für die Familienunternehmen.

Bayern verfügt bereits über den Masterplan BAYERN DIGITAL II, bei dem das Land Bayern und seine Menschen, als Gewinner der DIGITALEN Revolution hervorgehen sollen. Josef Schmid berichtete von der Maßnahme über den Ausbau des Glasfasernetzwerks, des Weiteren sollen Verfahren, wie Baugenehmigungen beschleunigt werden. Jedoch seien solche Prozesse in einer Großstadt nicht so flexibel und benötigen ihre Zeit.

Einen tieferen Einblick in die Gedanken von Familienunternehmern konnte Herr Dr. Riemenschneider geben. Family Offices suchen nach Investments mit gewisser Nähe. Dabei werfen sich zahlreiche Fragen auf, die sich nicht auf den Erfolg oder Profit beziehen, sondern z.B. in welches Produkt sie investieren, was es kann und wofür es steht.

Für ihn stellt die Politik nur die Rahmenbedingungen, der Fokus sollte darauf liegen mit welchen vorhanden Ressourcen und Bedingungen etwas erreicht werden kann und nicht auf weiteren Forderungen an die Politik. Das Interesse der jungen Leute sei da, die Stadt müsse aber den Zuzug und das räumlich Problem unterstützen, damit Start-Ups auch Personal einstellen könnten.

Das Publikum stellte im Anschluss an die Ausführungen unteranderem die Frage an das Plenum, warum in den USA die Investments in Start-Ups besser funktionieren als in Deutschland? Amerikanische Investoren interessieren sich für Themen, wie groß das Unternehmen z.B. werden kann und wie der globale Erfolg aussehen könnte. Die deutschen Investoren wären hingegen eher am Produkt und an der dahinterstehenden Technologie interessiert.

Wo liegt das eigentliche Problem?

In den USA wollen Start-Ups Erfolge erzielen und zu Giganten werden. Laut Herrn Dr. Riemenschneider fehlt diese Einstellung den deutschen Gründern. Diese setzen nicht auf Langlebigkeit, sondern haben die Absicht, ein Unternehmen möglichst kurzfristig erfolgreich zu machen, um es möglichst schnell gewinnbringend zu verkaufen. Diese Einstellung sieht er sehr kritisch. Er plädiert dafür, dass der Gründergedanke dafür stehen muss, ein wertvolles Unternehmen mit Zukunft zu gründen.

Frau Stars ergänzte, dass kein deutsches Unternehmen seit SAP in dem Technologiebereich mehr etwas erzielen konnte. Es geht dabei auch um Europa, das als Gemeinschaft größer denken muss. Deutschland ist der Exportweltmeister, jedoch sind die digitalen Giganten alle importiert: Facebook, Google etc. Da muss sich etwas ändern.

Herr Paul-Bernhard Kallen äußerte sich vor einiger Zeit, in einem vom ALPHAZIRKEL geführten Unternehmergespräch, dass BURDA sich auf dem globalen Markt wie „David gegen Goliath (USA)“ vorkommt. Diese Aussage wurde aufgegriffen und das Publikum stellte die Frage an das Plenum, wie es damit aus ihrer Sicht aussieht. Es wurde deutlich, dass San Francisco und Silicon Valley perfekte Ausgangspositionen für Investoren darstellen.

Herr Dr. Riemenschneider nahm Bezug auf die Frage zum Unternehmergeist. In Deutschland als Gründer zu scheitern sei nicht vertretbar, in den USA jedoch „gang und gäbe“. Er regte zum Umdenken an, wenn man jung ist, vor Ideen sprudelt und nichts zu verlieren hat, sollte man den Mut haben – denn eine kleine Idee kann auch ganz groß werden!

 

Herzlichen Dank an die Teilnehmer und an das Publikum für den interessanten Austausch.

 

Ricarda Campe

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
* Pflichtfelder

Top